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Friday, July 25, 2008

Yom Huledet Same'ach Mar Mograbi / Happy Birthday, Mr. Mograbi, Avi Mograbi, 1999

Avi Mograbi und Israel haben gleichzeitig Geburtstag. Der erste hat keine besondere Lust zu feiern, weder sich, noch sein Land. Statt dessen dreht er einen Essayfilm, der mir alles in allem nicht so recht einleuchten möchte. Nicht aufgrund seines Themas oder seiner diskursiven Positionierung, sondern aufgrund seines Umgangs mit den eigenen Bildern.
Mograbi verbindet den dokumentarischen Blick konsequent mit einem selbstreflexiven (dominant ist nicht nur hier, sondern auch in anderen Mogravi-Filmen die youtube-Kamera: Großer Kopf in der Mitte des Bildes, im Hintergrund Haushalt). Bald vermischen sich die Bildformen derart, dass klar wird: Der Angriff gilt nicht zuletzt der Ideologie des objektiven Blicks im Dokumentarfilm.
Der ambiguine Status der Bilder (weniger geht es um das Gegeneinander von Realität und Fiktion, als um eine mediale Schichtung von Wirklichkeit: Film / Film im Film / Film mit Realton / Film ohne Realton / Film mit "falschem" Realton / Film der vorwärts läuft / Film, der rückwärts läuft etc) ist Programm. Und zwar das einzige, zumindest das einzig erkennbare.
Aber was soll diese Ambiguität? Stark machen könnte man sie höchstens als mimetische Bezugnahme auf die Ambiguität der nahöstlichen Wirklichkeit. Aber das wäre dann doch etwas zu viel Aufwand für viel zu wenig Ertrag.
Doch je mehr die Bilder dem Objektivismus entsagen, desto problematischer wird die Autorschaft, die dahinter steht. Happy Birthday, Mr. Mograbi, eine kunstvoll arrangierte Ansammlung vielfach gezerrter und gespiegelter Zeichen, ist letzten Endes vielleicht doch ein Autorenfilm im schlechten Sinne. Denn wo auf textueller Ebene auf Hierarchisierungen und Fixpunkte (Voice-Over Kommentar, stringente ästhetische Prinzipien etc) verzichtet wird, stellt sich umso dinglicher die Frage, woher die Bilder denn dann kommen. Irgendwer muss die Kamera bedienen, irgendwer sitzt am Schneidetisch. Im Spielfilm ist das alles unproblematisch und kann im Gegenteil einer produktiven Verschränkung der fiktiven Funktion dienen, in dokumentarischen Genres dagegen, die sich über eine Referenz in der Wirklichkeit definieren (wie der Bezug auf diese auch immer zu fassen sein mag) wird ein solches Vorgehen problematisch.
Mindestens implizit behauptet Mograbi, dass sein ganz persönliches ästhetisches Prinzip die einzig angemessene Bezugnahme auf diese Wirklichkeit darstellt. Dass also die Entscheidung am Schneidetisch, die Zeremonien zum Geburtstag Israels rückwärts ablaufen zu lassen und mit Ruinen ehemaliger Palästinensersiedlungen gegenzuschneiden, einen Bezug zur Geschichte ermöglicht. Und zwar einzig und allein diese eisame Entschiedung des Autorensubjekts, dass auf objektivierbare Hilfsmittel völlig verzichtet. Hinter der scheinbaren Offenheit und Polyvalenz lauert der autoritäre Gestus.