Es mag, der beiden "wilde Tiere auf verlassenen Raumstationen"-Szenen zum Trotz, dem Zufall geschuldet sein; aber mich interessiert doch die sonderbare Ähnlichkeit von High Life und Ad Astra. Schon die Ausgangssituation: In beiden Filmen wird die Hauptfigur mit einer neuen, posthumanistischen Ordnung des Wissens konfrontiert , die sie zurückweisen muss, zugunsten von primären Bindungen, die den Massstab des Menschlichen respektieren. (Ein zentraler Unterschied, allerdings: in High Life geht es um den posthumanistischen Gehalt, in Ad Astra um die posthumanistische Form dieser neuen Wissensordnung). Insofern sind beides skeptische, vielleicht auch konservative Filme und Ad Astra ist zwar der pragmatischere, aber nicht unbedingt der weniger pessimistischere. Eben weil sich am Ende keine neue Schöpfung andeutet, sondern eine resignative Anerkennung der Welt als eine beschädigte. Der Ausweg in die Biologie ist verschlossen, es genügt, wenn man die psychologische Evaluierung wieder besteht. Mir ist das, glaube ich, näher.
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Tuesday, September 17, 2019
Zu den Sternen, hierher
Es mag, der beiden "wilde Tiere auf verlassenen Raumstationen"-Szenen zum Trotz, dem Zufall geschuldet sein; aber mich interessiert doch die sonderbare Ähnlichkeit von High Life und Ad Astra. Schon die Ausgangssituation: In beiden Filmen wird die Hauptfigur mit einer neuen, posthumanistischen Ordnung des Wissens konfrontiert , die sie zurückweisen muss, zugunsten von primären Bindungen, die den Massstab des Menschlichen respektieren. (Ein zentraler Unterschied, allerdings: in High Life geht es um den posthumanistischen Gehalt, in Ad Astra um die posthumanistische Form dieser neuen Wissensordnung). Insofern sind beides skeptische, vielleicht auch konservative Filme und Ad Astra ist zwar der pragmatischere, aber nicht unbedingt der weniger pessimistischere. Eben weil sich am Ende keine neue Schöpfung andeutet, sondern eine resignative Anerkennung der Welt als eine beschädigte. Der Ausweg in die Biologie ist verschlossen, es genügt, wenn man die psychologische Evaluierung wieder besteht. Mir ist das, glaube ich, näher.
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Monday, October 18, 2010
Nénette et Boni, Claire Denis, 1996
Einerseits kann man einer neuen Form beim Entstehen zusehen. Andererseits bleibt's halt doch ein Sozialdrama. Keine Differenz mehr wird vorausgesetzt zwischen Körper und Welt. Die Körper sind nicht mehr vereinzelt und ganz, sondern aufeinander bezogen und fragmentiert. Die Welt ist kein neutraler Container mehr, sondern die Gesamtheit der sinnlichen Bezugnahmen auf Materie. Was entsteht, ist ein halborganischer Flow, der sich nur dann ein wenig falsch anfühlt, wenn rhythmische Musik ihn begleitet. Und das spricht für den Flow: es ist ein dichterer, ein komplexerer Flow als der der Musik. Auch schön: keine falsche Romantik folgt aus der neuen Form. Paradigmatisch ist das Armband, das im Krankenhaus an der Babyhand befestigt wird. Der Eintritt in die Welt ist der Eintritt in die verwaltete Welt. Und doch: Es bleibt halt ein Sozialdrama. Und sogar ein übles, mit Teenageschwangerschaft, broken homes, ungenau definiertem migrantischen Milieu und so weiter. Wie Denis in ihren Flow die Zeichenlogik des Sozialdramas einbaut, wie widerstandslos dieser Einbau funktioniert, vor allem: Das hat mich immer wieder ziemlich abgestoßen, es wirft die Frage auf: wenn man sich "in die Bilder fallen lässt" (den ganz großen synästhetischen Überschlag kaufe ich der entsprechenden Theorieschule ohnehin nicht ab), wohinein fällt man dann ganz eigentlich? In ihren Afrikafilmen gibt es Stellvertreter für Denis' eigene Position und damit automatisch hierarchische Unterscheidungen. Vielleicht sind hierarchische Unterscheidungen manchmal eine gute Sache. Zumindest, wenn sie im Film figuriert - und nicht nur, bevor die Bildprofuktion überhaupt beginnt impliziert - sind.
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Wednesday, July 19, 2006
Vendredi soir, Claire Denis, 2002
Zwischen den Autos ist die regennasse Strasse zu sehen in immer neuen Momentaufnahmen, immer neuen Bewegungsstudien. Gesichter von Menschen meist hinter Scheiben, meist als Spiegelungen zerteilen den Raum mit ihren Blickachsen noch einmal. Die Kamera verlässt nie ganz die Subjektive, beharrt immer auf dem Ausschnitt. Die zerstückelte Perspektive ist nicht immer einer Person zugeordnet, ist kein mimetisches Abbild der Vereinzelung des Großstadtmenschen oder ähnliches, sondern stellt die einzig denkbare Möglichkeit in Denis' Welt dar, urbane Wirklichkeit darzustellen. Die Menschen sind fast immer in Bewegung, zwischen zwei Verpflichtungen, zwei realen Orten. Zumindest manche Menschen. Bevor Laure sich, wie ihre Freundin, an einen Ort bindet, der das Koordinatensystem Paris für sie zentriert, das freie Spiel der Kräfte zumindest teilweise beendet, gönnt sie sich noch eine Nacht der Freiheit in einer Stadt, die kein Aussen zu kennen scheint.
Ein zauberhafter, manchmal auf sehr intensive Weise hyperrealistischer, andernorts aber extrem verspielter Film, dessen Plot kaum zu erkennen ist und der es auf wunderbare Weise versteht, einen Verkehrsstau zu einem derart sinnlichen, fast halluzinatorischen Erlebnis zu machen, dass alles andere für ein paar Momente unwichtig wird.
Ein zauberhafter, manchmal auf sehr intensive Weise hyperrealistischer, andernorts aber extrem verspielter Film, dessen Plot kaum zu erkennen ist und der es auf wunderbare Weise versteht, einen Verkehrsstau zu einem derart sinnlichen, fast halluzinatorischen Erlebnis zu machen, dass alles andere für ein paar Momente unwichtig wird.
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