Es gibt einen toughen Lederjackentypen in der Gang, ansonsten sind das alles keine harten, teilweise sogar regelrecht windelweiche Jungs, die im Grunde ihres Herzens vom Film, den Eltern und sogar dem fesche Sprüche klopfenden Jungpolizisten verstanden werden wollen. Ein besonders seltsamer Rebell without a cause ist Mario Adorfs Werner, der Anführer, ein massiver Typ mit Bürstenhaaren, dominanten Augenbrauen und trotzdem immerzu herumdrucksend, stammelnd, schwammig in den Tag hinein lebend. Einmal trägt er einen schon richtiggehend bizarren, weiten Pullover aus grober, zentimeterweit ausfasernder Wolle, ein Kleidungsstück, das hilflos um Zuneigung bettelt, zwar ein bisschen unangemessen wild herumwuchert, aber eigentlich gestreichelt werden will, das modische Zeichen vielleicht für den Abstand des Films vom harten, amerikanischen Straßenkrimi, der als Vorbild aber immer durchscheint und in vielen tollen Kompositionen auch gut emuliert wird (Oswald hat selber in Hollywood Noirs gedreht, nur wenige Jahre vorher). Auch wenn man das diesem Text nicht ganz entnehmen können wird: Ich mochte den Film durchaus.
Eine tolle Figur ist der "Professor", der vermutlich weniger aus den Noirs (da kenne ich keine derartige Figur) kommt, als aus der deutschen Jugendliteratur: Ein schmächtiger, seitengescheitelter Brillenträger, der bei den Großen mitmachen will und in seinem Eifer etwas Selbstmörderisches hat, in der schönen Mutprobenszene auch keine Angst vor dem Schienentod hat. Und man ahnt auch schon, dass er ein Typ ist, dem man lieber keine Waffe in die Hand geben sollte, weil er sich dann um die Waffe herum strukturiert, weil die Waffe dann ihn hält und nicht er die Waffe.
Fast wie bei Brynych geistern zwei Popsongs durch den Film. Meist werden sie in der Jukebox einer Kneipe gespielt, an deren Wand Pin-up Zeichnungen projiziert werden, die aber, wie eigentlich alle Schauplätze des Films (der Bandentreffpunkt im Keller eines ausgebombten Gebäudes, "dunkle Seitenstraßen", selbst bürgerliche Wohnzimmer sehen irgendwie komisch aus, am besten gefallen hat mir der provisorische Unterschlupf des jüngsten Gangsters, an dem die ganze Zeit Eisenbahnen vorbeirauschen) eher einem versponnenen Samstagvormittagtraum von Milieu entsprungen zu sein scheinen, als dass sie als konsequent pulpifizierter Großstadtdschungel durchgehen könnten. Neben dem Titellied ist das vor allem die deutsche Version von "Charlie Brown", ein Lied, das mindestens so bizarr ist wie Adorfs Wollpullover ("Wer knistert mit Papier, hoho, hihi? / Und wer schießt auf das Katheder mit Kaugummi? / Charlie Brown, Charlie Brown / Das ist ein Clown, der Charlie Brown") und das einmal sogar von einem Betrunkenen gegrölt wird, als der von der Polizei mitgenommen wird. Der muss schon verdammt dicht gewesen sein.