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Wednesday, September 11, 2013

Entertainment

(Spoiler ahead, I guess...)
Besonders schön fand ich an Soderberghs schönem Behind the Candelabra die letzte Szene, ein reines Erinnerungsbild: Scott Thorson / Matt Damon besucht die Beerdigung Liberaces; als der Priester in monotoner Stimme zum Gebet auffordert, verschwindet das Kirchen-interieur und eine Show-Bühne erscheint. Liberace hat einen letzten Auftritt, komplett mit Nebelschwaden, Luxuslimousine und Tänzerinnen. Soderbergh zeigt den Auftritt frontal, hauptsächlich in Totalen, tritt in dieser Hommage komplett hinter ein Erinnerungsbild, aber auch hinter die Idee einer bestimmten Art von Entertainment zurück, der er für einmal den gesamten Bildraum überlässt. Wenn Liberace am Ende der Bühne entschwebt, lässt Soderbergh die Seile, an denen er befestigt ist, nicht einmal leicht durchscheinen.
...
Dass er den Film in der letzten Einstellung wieder für sich reklamiert, mit einem Umschnitt auf Damons Gesicht, auf dass man eben gerade keine Spuren des Erlebten in den chirurgisch zurechtoperierten Zügen finde, einem jener besserwisserischen Soderbergh-Schnitte, von denen es in Behind the Candelabra sonst so erstaunlich wenige gibt, hat mir dann gar nicht mehr so viel ausgemacht. Sollte das der neue, der Quality-TV-Soderbergh sein, könnte ich mich vielleicht doch noch mit ihm anfreunden.

Wednesday, April 06, 2011

Mad Men: Season 4

Natürlich bleibt Mad Men sehr schön, dennoch gefällt mir jede neue Staffel weniger gut als die jeweils vorherige. Die Serie klebt an der Zeitgeschichte, die Diegese entwickelt wenig Eigendynamik. Zwar gibt es in Mad Men jede Menge character development, aber verglichen mit anderen Pay-TV- oder Kabelserien (bestes Beispiel immer noch: Boomer in Battlestar Galactica) akkumulieren sich die fiktionalen Biografien weit weniger intensiv um die Figuren. Nicht unbedingt Don, aber doch mindestens Peggy Olson, Pete Campbell und Joan Harris sind in der vierten Staffel - nimmt man die erste als Maßstab - kaum wiederzuerkennen. Das heißt aber auch: Den Figuren prägt sich das, was die Serie ihnen in ihrer Fiktion zustoßen lässt, nicht allzu stark auf. Die Figuren sind stets zuerst Kinder ihrer Zeit: der madmenisierten dynamischen Sechziger. Selbstverständlich gehört ihr Geschichtsmodell zur Poetik der Serie und ist nicht etwa eine "dokumentarische" Vorbedingung, aber dennoch stößt das Modell den Figuren tendenziell von außen zu, es streicht die minutiae der Intrigen tendenziell durch. Historiografisch mag diese Erzählhaltung korrekt sein, im Kontext des hypernarrativen Qualitätsfernsehen zeitigt sie leise Frustration.

Wednesday, November 24, 2010

Bored to Death S01

Eine Meta-Sitcom ist Bored to Death nicht, weil das Format mitreflektiert wird. Das machen andere Sendungen auch und viel exzessiver. Eher, weil andauernd expliziert und monologisch versprachlicht wird, was in Cheers, Seinfeld etc noch szenisch aufgelöst, situativ dialogisch verhandelt wurde: die Selbstverständlichkeiten und Paradoxien von Beziehungen, ihre Implikationen für das Subjekt. Sophisticated sind Jonathan, George und Ryan (manchmal) im Männergespräch, in den Begegnungen mit den Frauen degenerieren sie bis hin zur kompletten Infantilität. Ihr Problem (und schon auch irgendwie das Problem der Serie) ist nicht so sehr die Erbärmlichkeit der Lebensumstände, auch nicht in erster Linie die Aufdringlichkeit und letztlich: Schlichtheit des ökolinken Milieus, das sich in einer Art in den Vordergrund drängt, wie sie in wirklich guten Sitcoms aus guten Gründen vermieden wird (die Flucht ins Milieu, wenn die Figuren nicht mehr so recht gelingen wollen: auch zu beobachten in My Name Is Earl, It's Always Sunny in Philadelphia, beide freilich insgesamt deutlich gelungener). Eher leiden sie unter einer konsequent nach außen gewendeten Ironie, die kein reflektiertes Verhältnis zur Welt ist (wie in Seinfeld), sondern eine bloße Vermeidungsstrategie (aus der die Serie dann wiederum ihre redundante Struktur ableitet). Einzig Zach Galifianakis, der freilich schlechteste Schauspieler der drei, darf ein wenig echten Masochismus leben.
Natürlich bereitet es andererseits große Freude, Ted Danson wiederzusehen...

Wednesday, September 29, 2010

Paul Giamatti...

...ist ziemlich großartig in der Titelrolle der HBO-Miniserie John Adams. Er gibt das von klangvolleren Namen überschattete Arbeitspferd der amerikanischen Revolution als sturen Störenfried, der wieder und wieder, die Fäuste zusammengeballt, das Gesicht leicht verzerrt, eingreift, wenn sich seine perückengeschmückten Kollegen auf Abwege begeben. Die Geschichte, die einem widerfährt schlägt in diesen Momenten und in diesem Körper um in die Geschichte, die gemacht werden kann.

Auch sonst gefallen mir die ersten beiden Abschnitte sehr gut. Durch die eine oder andere Montagesequenz muss man durch und dass die tollen New-England-Aufnahmen immer so pittoresk angewinkelt sind, nervt irgendwann auch ein wenig. Aber vergegenwärtigen möchte die Serie nicht die physische Welt im Dekor, sondern einen Moment der Selbstermächtigung, der mit einer Abstraktionsleistung einhergehen muss.

Tuesday, July 27, 2010

In passing

True Blood 1.1+1.2

Alan Ball bleibt mein ganz privates rotes Tuch. Mit American Beauty konnte man mich schon immer jagen, Towelhead ist nur deshalb erträglicher, weil Ball von Anfang an weniger will und deshalb auch weniger falsch machen kann, Six Feet Under hatte ich damals bereits nach einer Folge aufgegeben. True Blood möchte ich mindestens eine Staffel lang eine Chance geben. Aber die Serie macht es mir nicht leicht. Die Episoden ein einziges Grimassieren, das man hinterher nicht einmal mehr so recht nach Personen und individuellen Gesichtszügen aufschlüsseln möchte, Südstaatenlokalkolorit wird mit dem Vorschlaghammer eingeimpft. Auch sonst wird alles, was eventuell in einer Szene drinsteckt, auch ausgesprochen. Keine Geheimnisse, nirgends.
Verglichen mit dieser aufgepimpten Vampirerotik wirkt zumindest der erste Twilight-Film wie eine Abhandlung über reales weibliches Begehren. Nun denn, immerhin: Vielleicht verhält sich die Serie zu Six Feet Under wie Towelhead zu American Beauty: offensiver, naiver Trash statt Qualitäts- und Reflektionsbehauptung.

La mujer sin lágrimas, Alberto B. Crevenna, 1951

"Alles wird gut, wenn Du älter wirst!" meint die Tante (?). "Nein" widerspricht die Mutter (?) und spricht den Säugling direkt an: "nichts wird sich ändern". Das ist der Ende des Prologs eines recht generischen, gleichzeitig äußerst wahnwitzigen mexikanischen Melodrams und eigentlich ist damit schon alles klar. Später ist das Kind ein Mädchen kurz vor der Unabhängigkeit vom Elternhaus und der zweite Satz hat sich bewahrheitet. Es entspannt sich ein erbitterter Schwesternkrieg um einen älteren Mann, der junge Freund des Mädchens möchte auch in den Film rein, hat aber gegen die alten Diven keine Chance. Hyperbolische Alltagshysterie in einer erschreckend unbekannten Nationalkinematografie. Alberto B. Crevenna hat in seinem Leben über 150 Filme gedreht.

Tuesday, August 14, 2007

Curb Your Enthusiasm, Season 1

Anlässlich des Bergman-Streits (hier noch in den Kommentaren eine ausführliche Diskussion unter Us-Filmbloggern) kommt mir ein anderer Rosenbaum Frontalangriff in den Sinn: Nämlich den deutlich präziseren und besser argumentierte Essay "Notes Toward the Devaluation of Woody Allen".
Weitaus einleuchtender erschien mir hier die Argumentation als im Falle Bergman, obwohl mir persönlich Allen allemal lieber ist als der Schwede, soweit ich mir bei meinen gleich doppelt beschränkten Euvre-Kenntnissen überhaupt ein Urteil anmaßen kann. Auch (oder vielleicht: gerade) die locker heruntergekurbelten Filmchen der letzten Jahre, die vielen als der Anfang vom Ende einer großen Arthauskarriere erschienen (Hollywood Ending, Scoop etc.) gefallen mir ausgezeichnet. Überhaupt sagt mir Allens (aus meiner Perspektive, als Filmkritiker in Amerika sieht man dies vielleicht anders) unaufgeregter, entspannter Auteurismus außerordentlich zu.
Die erste Staffel der großartigen amerikanischen Comedyserie "Curb Your Enthusiasm" jedoch unterstützt in meinen Augen Rosenbaums Thesen über Allen in vieler Hinsicht. Denn die Hauptrolle in dieser HBO-Produktion ist Larry David, eine Art Variation auf Woody, die all das, was Rosenbaum als die opportunistische Schlagseite dieser Figur brandmarkt, konsequent eliminiert.
Denn der "Seinfeld"-Miterfinder Larry David ist nicht nur noch einmal um einiges erbärmlicher als Woody selbst in dessen deprimierendsten Rollen, er ist vor allem auch deutlich bösartiger und hinterhältiger. Und vielleicht das wichtigste: Larrys Arroganz gründet im Gegensatz zu Woodys nie auf einer tatsächlichen geistigen Überlegenheit, wie sie sich beispielsweise in einem erlesenen literarischen oder musikalischen Geschmack, in jedem Fall in jeder Menge Hochkultur, ausdrückt. Nein, Larry ist genauso ein halbgebildeter Banause wie die ihn umgebenden Mitglieder der Westküstenschickeria. Die Überheblichkeit, mit der er sich in diesen Kreisen bewegt, resultiert aus der Eastcoastarroganz, mit welcher er auf die neureichen Kalifornier blickt, sowie aus der Tatsache, dass er sich als Jude sowieso für supreme sophisticated hält. (Selten sieht man - im Kino wie im Fernsehen - eine so genaue soziale Binnenanalyse der USA)
Um mit Allens stellenweise ziemlich unerträglichem Bergman-Nachruf zu sprechen: David ist Allen minus Bergman und damit automatisch recht nahe bei Groucho Marx.