An die Rocker gerät Meat Loaf zufällig, er passiert mit seinem Truck den Tourbus auf der Landstraße, sein Blick bleibt an Kaki Hunter hängen (falsche Frontzähne schräg ins Gesicht geklebt), einem Groupie, das natürlich am Ende doch keines ist. Es geht dann auf Tour mit u.a. Hank Williams Jr., Blondie und am Ende auch noch Alice Cooper, es gibt chaotische Kneipenschlägereien, riesige Biergläser, Kokain im Waschmittel, alle tragen gemeingefährliche Sonnenbrillen.
Alan Rudolph hat vom Siebzigerjahrekino die Freiheit, das Sprunghafte übernommen, sein Film vermeidet noch den Anschein von Konsequenz, jede einzelne Szene scheint etwas Neues auszuprobieren, nur um das Ausprobierte dann gleich wieder fallenzulassen. Vor einem Konzert eine kurze Montagesequenz, rhythmisch angepasst an die Off-Screen-Musik; später hetzen Meat Loaf und Kaki Hunter durch die Straßen in Richtung Alice-Cooper-Konzert, die Kamera ist dann plötzlich ganz hoch oben, bei den geometrischen Formen der Wolkenkratzer, nach drei Einstellungen city symphony dreht sie sich wieder nach unten und kehrt zurück zum Boden. Einmal wird die Beliebigkeit sogar reflexiv: "Heutzutage wissen sie nicht mehr, wie man ordentliche Verfolgungsjagden dreht" sagt irgendjemand zu irgendjemand anderem, die direkt anschließende Verfolgungsjagd ist dann auch tatsächlich eine der ineffektivsten der Filmgeschichte. Da rasen dann die Autos immer wieder durch dieselbe Totale, mal von rechts nach links, mal von links nach rechts.

Die Formen haben sich verflüssigt, aber nicht, um für eine kohärente künstlerische Position verfügbar, individualisierbar zu werden. Vieles, sehr vieles ist falsch an diesem Film, aber irgendwie macht das nicht viel aus. Es steckt kein System, kaum noch ein Autor hinter der Falschheit. Vielleicht muss der Film durch das Falsche, durch die schrottigen Klamaukszenen zum Beispiel, oder durch die nicht mal mehr ernsthaft reaktionären Hillbillie-Impressionen hindurch (so wie man, wenn man eine Stadt besucht, zuerst die hässlichen Vororte durchqueren muss, bevor man ins Zentrum gelangt; es ist halt ein Film, der sich durch eine Welt bewegt, an der vieles grundfalsch ist und in der es keine Ursprünglichkeit gibt, die vom Falschen frei wäre, ein Film auch, der sich auf diese Welt einlässt, der sie nicht, oder nur sehr grob filtert), um dann plötzlich doch wieder großartige Bilder finden zu können. Die man dann aber auch nicht mehr einem Künstlersubjekt zuschreiben kann. Zum Beispiel das letzte Konzert; das findet in einer Halle statt, die ausschaut wie die im Finale von The Parallax View. Mit einem Mal wird der Raum abstrakt, schluckt die sich sonst so vital gebenden Figuren.



Meine liebste Szene kommt etwas früher: Blondie geben vor aufgemalten Bohrtürmen ein Konzert, Debbie Harry singt Ring of Fire.