Nina Hoss ist äußerst cool als Yella, keine Frage. Vielleicht ist es gerade die Coolness und Hippness des ganzen Projekts, die dafür sorgt, dass ich mit Christian Petzolds neuem Werk nicht ganz warm werden konnte. Auf dem Papier sieht alles sehr smart aus: Der atmosphärische Horrorfilmklassiker Carnival of Souls wird in Investmentbanking übersetzt und gleichzeitig in einen deutschen Ost/West-Diskurs eingefügt, in welchem delikaterweise der Westen das Geisterreich darstellt.
Die Petzoldsche Version eines Horrorfilms beschränkt den genreüblichen Exzess auf drei kurze Sequenzen, die den Übergang von der realen in die Traumwelt durch Tonsubjektiven darstellen. Ganz konkret: Im Stile eines schlechten B-Horrorfilms bricht die Tonspur in sich zusammen und macht einem undefinierbaren Rauschen Platz, während (die ansonsten selbstverständlich hervorragende) Hoss planlos in die Gegend starrt. Das Krähen eines Raben holt sie schließlich wieder in unsere Welt zurück. Die Kamera unterstreicht (?) dies durch ein wenig planloses Rumgezoome in den Ästen eines Baumes. Diese ganze Sequenz (die wie gesagt dreimal wiederholt wird) ist dermaßen uneffektiv inszeniert, dass man Petzold, der ja sein Handwerk versteht, Absicht unterstellen muss. Nur: Was soll das?
Ebenso wie ich Sinn und Zweck dieser Sequenz nicht verstehe (sie wurde direkt aus Carnival of Souls übernommen, wie überhaupt der Film in struktureller Hinsicht ein erstaunlich originalgetreues Remake darstellt), bleibt mir letzten Endes das ganze Projekt ein Rätsel, und zwar eines, bei welchem ich nicht einmal allzu große Lust verspüre, weiter nachzuforschen, da ich wenig Chancen auf potentiellen Erkenntnissgewinn ausmachen kann. Das Handlungsgerüst des Bankerplots basiert angeblich auf Farockis Nicht ohne Risiko, den ich zugegebenermaßen noch nicht gesehen habe. Diese komplexe Überblendung zweier filmischer Texte verweist auf eine Aussageabsicht politischer Natur (verbunden mit einem filmgeschichtlichen Diskurs), die sich nicht auf eine plumpe kapitalismuskritische Allegorie reduzieren lässt. Aus dem filmischen Text als solchem erschließt sich jedoch höchstens letztere. Und selbst diese zerschellt an den Horrorfilmüberresten.
Dazu den obligatorischen hippen Popsong auf der Tonspur und als Autorensignatur eine Überwachungskameraaufnahme. Natürlich ist Yella kein schlechter Film und vielleicht weist er in mancher Hinsicht in die richtige Richtung. Doch wie bereits im Fall von Gespenster ist mir das Konzept ein klein wenig zu sofisticated, zu sehr bedacht auf die eigenene Coolness (und vielleicht sogar auf den goldenen Bären), um im Rahmen eines Erzählfilms wirklich zu funktionieren.
Showing posts with label Nina Hoss. Show all posts
Showing posts with label Nina Hoss. Show all posts
Saturday, February 17, 2007
Tuesday, February 14, 2006
Elementarteilchen, Oskar Röhler, 2006
Man hätte es sich ja denken können, spätestens nach dem Filmplakat.
Röhlers Elementarleichen ist nicht mehr als eine unter vielen Eichinger-Produktionen. Mag man dem Film auch zugute halten, dass ihm der Übergang zwischen dem komödiantischen ersten und dem melodramatischen zweiten Abschnitt leidlich gut gelingt (ein Übergang, der wieder einmal äußerst eindrucksvoll Röhlers Sexfeindlichkeit ausstellt), (Nachtrag Jahre später: hier stand was und jetzt ist es weg, für immer, hihi) so bleibt doch am Ende - nichts. Nun habe ich die Vorlage weder gelesen, noch weiss ich aus dem Stehgreif, wie sich der Autor schreibt, aber in diesem Fall bleibe ich gerne Kulturbanause, denn über diesen Film möchte ich nun kein Wort mehr verlieren...
Röhlers Elementarleichen ist nicht mehr als eine unter vielen Eichinger-Produktionen. Mag man dem Film auch zugute halten, dass ihm der Übergang zwischen dem komödiantischen ersten und dem melodramatischen zweiten Abschnitt leidlich gut gelingt (ein Übergang, der wieder einmal äußerst eindrucksvoll Röhlers Sexfeindlichkeit ausstellt), (Nachtrag Jahre später: hier stand was und jetzt ist es weg, für immer, hihi) so bleibt doch am Ende - nichts. Nun habe ich die Vorlage weder gelesen, noch weiss ich aus dem Stehgreif, wie sich der Autor schreibt, aber in diesem Fall bleibe ich gerne Kulturbanause, denn über diesen Film möchte ich nun kein Wort mehr verlieren...
Labels:
Berlinale,
Berlinale 2006,
Deutschland,
Houellebecq,
Nina Hoss,
Roehler,
Sex
Subscribe to:
Posts (Atom)