Christoph Hochhäuslers Debut ist in vieler Hinsicht ein typischer Filmhochschul-Abschlussfilm mit all den Schwächen die dieser Gattung anhaften - zumindest soweit ich dies zu beurteilen vermag, im Allgemeinen vermeide ich solche Filme. Zu viele heterogene Ideen stehen nebeneinander, werden viel zu selten hierarchisiert, einzelne hervorragende Montagesequenzen stehen eine ganze Reihe betulich inszenierte, die Handlung vorantreibende Passagen gegenüber. Dadurch fallen einige stilistische Eigenwilligkeiten umso mehr auf, stehen nie im Dienst der Handlung oder eines konsequenten, produktiven ästhetischen Programms. Vor allem die Musik drängt sich immer wieder ungebührlich in den Vordergrund und verweist doch vor allem auf ein grundlegendes Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Auch die flachen, strengen Einstellungen, die sich immer wieder in die Fernsehoptik einschleichen, sind für sich selbst zwar oft gelungen, verweisen aber innerhalb de Gesamtwerkes weniger auf Bresson als auf jemand, der zu oft Bresson gesehen hat - oder zu selten.
Trotz allem hat der Film seinen Reiz und bei näherem Hinsehen lässt sich der Keim dessen erkennen, was in Falscher Bekenner nur zwei Jahre später - die Entwicklung zwischen den beiden Werken ist in der tat gigantisch - zur Büte kommen wird: ein gewisses stures Beharren (oder eine beharrende Sturheit? whatever...) der Figuren, das sich in mehreren Serien kleiner Beobachtungen ausdrückt, in kleinen Variationen, die in sich recht arbiträr sind und sich in die unterschiedlichsten Richtungen ausbreiten können (in Milchwald etwa die Schuhe und die Uhr des Jungen). Ein wirkliches Ziel hat niemand, oder wenn doch, wird man eben durch obige Sturheit am erreichen desselben gehindert. Aber das Eigenbrödlerische, auf etwas lethargische Weise Irrationale eröffnet Möglichkeiten, die zielstrebiges Handeln übersehen würde.
In Falscher Bekenner passt Hochhäusler - anders als in Milchwald - auch den Stil dieser Anarchie im Kleinen, die einem auf den ersten Blick wohlgeordneten Alltag von Innen auszuhöhlen versteht, an. Auch Framing und Montagelogik werden variabler, bilden unterschiedliche Serien, durchdringen den kleinstädtischen Raum in einer Weise, die der in ihn eingeschriebenen Wertkonservativen Moral nicht offen widerspricht, sondern sie der Absurdität preisgibt.
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Monday, September 25, 2006
Wednesday, January 04, 2006
Wojna swiatow – nastepne stulecie, Piotr Szulkin, 1981
Diese polnische Version von Krieg der Welten (wie originalgetreu sie ist, weiss ich nicht, angesichts der beiden amerikanischen Verfilmungen ist aber anzunehmen: nicht allzu sehr) beginnt und endet als teils recht platte, manchmal jedoch durchaus inspirierte Medienkritik - natürlich ist mal wieder das Fernsehen das Böse. Auch im damals noch real existierenden Sozialismus scheint Technikfatalismus nicht unbekannt gewesen zu sein, was zu ähnlichen Ergebnissen führt wie im westlichen Gegenstück Network, Systemkritik verschwindet hinter undifferenzierter Medienanklage, hier verbunden mit einer Prise Orwellscher Überwachungsstaatparanoia, wiewohl diese natürlich im sozialistischen Polen durchaus heikel gewesen sein dürfte - doch als politische Parabel sollte man Wojna swiatow nun wirklich nicht lesen.
Denn dieses Verfahren - in grundsätzlich langweiligen Filmen eine irgendwo versteckte subversive Botschaft aufzuspüren, um realsozialistische Kinematographien aufzuwerten - hat Szulkins Film nicht nötig. Gerade der Mittelteil des Films erreicht durch einige, scheinbar nebensächliche Episoden, eine Dichte, die dem "politischen" Teil des Films nicht immer gelingen will. Die seltsamen Marsmenschen, Kinderdarsteller in silbernen Ballonanzügen sind um ein Vielfaches Ausserirdischer als die CGI Kreaturen moderner Space Operas, verschaffen dem Film einen tatsächlich non-reales Aussehen, verstärkt durch eine schwer definierbare sexuelle Energie, die stets präsent ist, aber nur einmal kurz ausbrechen darf. Hinzu kommen die seltsam anmutenden Dekors in den wenigen wirklich phantastischen Sequenzen, der Verzicht auf jegliche Special Effects (die Landung der Marsmenschen ist der rückwärts abgespielte Start einer Mondrakete) und absurder Hardrock.
Auch wenn es ein cinephiles Klischee ist: Alles in allem um einiges lohnender als die Spielberg Version, die außer einiger sehr kraftvollen Szenen doch eher lieblos zusammengeschustert erscheint.
Denn dieses Verfahren - in grundsätzlich langweiligen Filmen eine irgendwo versteckte subversive Botschaft aufzuspüren, um realsozialistische Kinematographien aufzuwerten - hat Szulkins Film nicht nötig. Gerade der Mittelteil des Films erreicht durch einige, scheinbar nebensächliche Episoden, eine Dichte, die dem "politischen" Teil des Films nicht immer gelingen will. Die seltsamen Marsmenschen, Kinderdarsteller in silbernen Ballonanzügen sind um ein Vielfaches Ausserirdischer als die CGI Kreaturen moderner Space Operas, verschaffen dem Film einen tatsächlich non-reales Aussehen, verstärkt durch eine schwer definierbare sexuelle Energie, die stets präsent ist, aber nur einmal kurz ausbrechen darf. Hinzu kommen die seltsam anmutenden Dekors in den wenigen wirklich phantastischen Sequenzen, der Verzicht auf jegliche Special Effects (die Landung der Marsmenschen ist der rückwärts abgespielte Start einer Mondrakete) und absurder Hardrock.
Auch wenn es ein cinephiles Klischee ist: Alles in allem um einiges lohnender als die Spielberg Version, die außer einiger sehr kraftvollen Szenen doch eher lieblos zusammengeschustert erscheint.
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