Wie man mit einem Mann unglücklich wird, Ruth Herzberg. Ein Formexperiment, als hypersexualisierte Lifestyle-Troll-Literatur getarnt. Protokoll einer Beziehung, die keine ist, sondern ein dysfunktionales Selbstgespräch, das ein Gegenüber nicht einmal mehr wirklich zu imaginieren versucht. "Toxisch" ist deshalb auch nicht die Beziehung, sondern das Selbstverhältnis, das gefangen bleibt in Schleifen depressiver Selbsterniedrigung und manischer Penisanhimmelung ("guter Sex" als einzige mögliche Belohnung, einziger möglicher Maßstab dafür: die kommerzielle Pornografie). Ein Buch über eine bipolare Störung ist das freilich dennoch nicht, dafür fehlt die Distanz. Ein Buch als bipolare Störung? Auch das nicht wirklich, dazu ist die Sprache, die mich erst nervt und dann immer mehr in ihren Bann zieht, zu kontrolliert. Fast ein Prosagedicht auf die Dauer, eine Anrufung, eine Beschwörung, aber von was? Kein Ausbruch, kein Horizont, nichts. Ein Endspiel nicht nur der Liebe und der Sexualität, sondern der Subjektivität. Vielleicht etwas hoch gegriffen, manche Passagen sind auch nur - allerdings ziemlich gutes - Boulevard. Jedenfalls ein Buch, das nach der Lektüre gewachsen ist.
Die Wölfe von Pripyat, Cordula Simon. Eine filigrane Science-Fiction-Konstruktion im Nebel einer unmöglichen Zukunft. Eine Doppelkonstruktion, genauer gesagt, zwei parallel geschaltete Auflehnungen gegen eine autoritäre Zurichtung, die auf ziemlich tolle Weise gleichermaßen allgegenwärtig und unspezifisch bleibt. Keineswegs laufen beide Auflehnungen aufeinander zu, eher streben sie radikal inkompatiblen Zielen zu: Komplettausstieg aus der Technogegenwart vs Ideologiekritik als immer schon systemkonformes Systemkorrektiv. Auf Plotebene teils ein Orwell-Update für politisch diffusere Zeiten (statt des Großen Bruders Überwachungsroutinen als Selbstzweck, statt Gleichschaltung geteilte Indifferenz in untereinander inkompatiblen Millieus), aber atmosphärisch ist das viel näher an Philip K. Dick: halluzinatorischer Radikalpessimismus, Figuren im finalen Kampf gegen die Zersetzung der eigenen Handlungsmacht. Und dann ist das alles womöglich auch noch eine Putinismusallegorie? Zwischendurch auch mal frustrierend opak, das Buch, aber immer ambitioniert wie nur was und in jedem Fall: eine Entdeckung.
Wolfszone, Christian Endress. Weiterhin eine große Leerstelle im Sample: gutes Genrehandwerk. Endress lockt mit Transformers-mäßigen Cyborg-Wölfen und liefert dann doch nur eine weitere brave Expolation nicht einmal wirklich unserer technologischen Gegenwart; sondern lediglich einiger soziologischer Allgemeinplätze rund um Kulturkampf, Prepper, Gutmenschentum, was weiß ich. Die multiperspektivische Erzählweise bringt hier und da tatsächlich ein wenig Schwung in die Handlung, ist aber zuvorderst ein extrem duchsichtiges Manöver, Diversität vorzutäuschen. Wobei das auch schon wieder egal ist, weil die zentrale weiß-männliche Ermittlerfigur ebenso sehr Klischee bleibt wie das weiblich-migrantische und sogar roboterwölfische Beiwerk. Das sehr awkwarde Geflirte des Ermittlers mit einer fast-schon-Femme-Fatale-Journalistin ist noch das Beste am Buch.
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