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Thursday, February 28, 2013

in passing: Berlinale 2013

Computer Chess (Andrew Bujalski, Forum)
I Used to Be Darker (Matthew Porterfield, Forum)

Die beiden grundguten Geister des Festivals: Die Nerds der Achtziger, die sich sehr zurecht die übelriechende Libertinage der Siebziger vom Leibe halten; und die sanft entwurzelten Kids der Gegenwart, die sich nicht für ihre first world problems schämen und ganz großartige Sprechweisen entwickeln. Amerika hat es besser.

Kya hua is shahar ko? / What Happened to This City? (Deepa Dhanraj, Forum)

Eines der intensivsten Filmerlebnisse des Festivals. Ein einfacher Grundkonflikt, der in keine Richtung komplett aufgelöst wird, sondern sich immer weiter vertieft, oft durch bloße Wiederholungen der ewig gleichen Anschuldigungen, der ewig gleichen Ängste. Die beiden Hetzer, der muslimische und der hinduistische, die ihr Weltbild monologisch entfalten können und direkt danach die engen frames, in die sich die angsterfüllten Familien drängen, die im Bürgerkriegsgebiet leben müssen. Ein Film über die Enge des Sozialen, ein klaustrofobischer Film, wenn ich je einen gesehen habe. Ein Film, der mich wie kaum ein zweiter in meiner grundlegenden Skepsis gegen alle Formen von Gemeinschaften, die aus mehr als zwei Menschen bestehen, bestärkt hat.

Mes seances de lutte / Love Battles (Jacques Doillon, Panorama)
Leviathan (Castaing-Taylor / Paravel, Forum Expanded)

Zwei Filme, die mich in ein neues Sehen eintrainieren wollen, vermittels einer körperlichen, aber jeweils unterschiedlich subjektbefreiten Wahrnehmungskonfiguration. Warum hat mir am Ende der Doillon, der mich zuerst ziemlich genervt hat, deutlich besser gefallen? Weil der Film nicht so durchgeformt erscheint, weil er seine experimentelle Anordnung nicht immer schon wieder reframet als dramaturgisch perfekt durchexerziertes Gesamtkunstwerk. „Hinterher war's dann doch nur Vorspiel für normalen Leinwandsex“, meint Daniel Eschkötter und das stimmt natürlich, aber genau das ist vielleicht auch das interessante an Doillons Film: Dass er da aus Hilflosigkeit, vielleicht auch aus Angst vor der eigenen Radikalität eine Ausfahrt nimmt, die eigentlich gar nichts abschließt; anstatt sich zum Beispiel, das wäre die Leviathan-Option gewesen, ganz den Körpereffekten zu überlassen und sie in komplett installative Anordnungen zu überführen. Möglicherweise wäre Cyber-Sex die allerbeste Perspektive gewesen, aber die Freundin wird am Ende dann auch noch eingeflogen.

Materia oscura / Dark Matter (Anolfi / Parenti, Forum)

Einer der wenigen Forumsdokus, deren Selbstverrätselung wirklich Lust weckt, sie zu durchschauen. Found Footage Material (wie genau entstanden? Komplett dokumentarisch oder nicht doch mit Pulp-SF angereichert?) von einem Raketentestgelände, das schließlich in einen Öko-Problemfilm übergeht, in langen, geduldigen Aufnahmen, die zeigen, wie ein krank geborenes Kalb an der Nahrungsaufnahme scheitert. Absichtsvoll ungenaue Analogien zwischen verschiedenen Spuren, die Projektile hinterlassen in der Landschaft, auf analogen Filmstreifen, in Kälbern. 

Za Marksa... / For Marx... (Svetlana Baskova, Forum)

Was dann doch toll ist (1): die erste Busfahrt in die Fabrik, die gleitende Kamera, die sich nicht für ein Gesicht, ein Schicksal zu entscheiden wollen scheint (und genau das dann leider doch tut); und erst recht die erste Szene in der Fabrik, zwischen Funken schlagenden Hochöfen, offensichtlich an einem Originalschauplatz gedreht. Ich weiß natürlich nicht so recht, wie eisenverarbeitendes Gewerbe normalerweise ausschut, aber in diesem Fall scheinen mir die Hochöfen doch sehr frei in der Gegend herumzustehen, der ganze Raum ziemlich ungeordnet zu sein. So, als wäre die Fabrikhalle notdürftig um an dieser Stelle vorgefundene „Feuerquellen“ herum gebaut geworden. Ach, was hätte man an so einem Ort für einen tollen Film drehen können...

 Frances Ha (Noah Baumbach, Panorama)

Vielleicht ist das doch auch eine Leistung des Films: Dass ich seiner Protagonistin zumindest nach der ersten halben Stunde nur noch das Schlechteste wünsche, in jeder einzelnen Szene, in jedem einzelnen Gespräch. 

The Grandmaster (Wong Kar Wai, Wettbewerb)

Was dann doch toll ist (2): Die längere Sequenz, die mit einer „Stabat mater“-Montage eingeleitet wird, die sich dann in ein erotisch aufgeladenes Martial-Arts-Duell fortsetzt, welches direkt im Anschluss schon wieder zum Erinnerungsbild umgeformt wird. Zehn, fünfzehn mit traumwandlerischer Sicherheit inszenierte Minuten, wegen denen ich mir den Film, falls ich ihn irgendwo auf 35mm zu sehen bekommen würde, vielleicht doch noch einmal anschauen täte.

Gloria (Sebastian Lelio, Wettbewerb)

Rückblickend die schlimmste Szene des Festivals: die Paintball-Rache am verhinderten Lover, der dafür, dass er sein Leben nicht derart selbstoptimierungsideal in den Griff bekommt wie die rundum hassenswerte Hauptdarstellerin, auch noch Farbbeutel vor den Bauch geschossen bekommt. Gloria darf sich dafür im ewigen Radioairplay-singalong ins Zuschauerherz wiegen. Widerwärtig.

Belleville Baby (Mia Engberg, Panorama)

Schwedische Künsterlin verarbeitet Beziehung zu einem Gefängnisinsassen in Form eines völlig egalen Essayfilms. Der einzige Film, den ich vorzeitig verlassen habe, vor allem aufgrund einer Szene: Es geht um die riots in den Pariser banlieus um 2005. Die Künstlerin überlegt, in die Vorstädte zu fahren und vor Ort zu filmen. Der Freund im Gefängnis will das nicht: Du würdest sie anschauen wie Affen im Zoo, meint er. Es gibt im Film dann auch tatsächlich keine Bilder aus erster Hand, sondern weitgehend unkommentierte Fernsehaufnahmen, die irgendwie beweisen sollen, dass der Freund recht hat und dass die Blicke von außen die banlieu-Bewohner kolonialisieren oder so. Mein Problem damit hat etwas mit dem Satz zu tun, den Thekla Dannenberg über einige andere Berlinalefilme formuliert hat: „Aber es gibt die Mühe, Fakten zu recherchieren, und die Bequemlichkeit, Drehbücher nicht zu Ende zu denken.“ Engbergs Film ist der unangenehme Höhepunkt der Bequemlichkeit: Entweder hätte sie doch raus in die banlieus fahren müssen und versuchen, den geläufigen andere Bilder entgegen zu stellen; oder sie hätte genauer nachweisen müssen, was an den Fernsehbildern einem zoologischen Dispositiv entspricht. So wie es ist, setzt sie den rechten Ressentiments nur ihre eigenen entgegen.

None Shall Escape (Andre de Toth, Retrospektive) 

DIE Entdeckung der Retrospektive: Harte, effektive B-Movie-Rationalität verurteilt den nationalsozialisitschen Irrationalismus schon vor dessen tatsächlicher Niederlage. Ein Film, der sehr konsequent und ohne eine falsche Note vom Ende des ersten Weltkriegs bis an die Schwelle von Auschwitz führt.

The Chase (Arthur Ripley, Retrospektive)

Ein absolut fantastischer, derangierter noir, der durchaus in der Ulmer-Liga spielt. Das weiße Kleid, das durch den Wellenschlag in ein schwarzes transformiert wird. Die Traumsequenz, die vielleicht nur deshalb so sonderbar ist, weil sie von Anfang an keine ist. Die beiden Schiffe mit den identischen Kajüten. Und Kuba als irrealisierter Sehnsuchtsort (siehe Miami Vice) schon vor Castro. 

M (Joseph Losey, Retrospektive)

Pragmatic Hollywood leftism, auf der Leinwand (Gangster in Polizeiuniform, die freudig grinsend in Einkaufszentren randalieren und schon auch mal als Bunuel-Hommage ein gläsernes Auge zersplittern lassen), aber auch schon vor dem Screening: der 90-jährige Harold Nebenzal spricht frei und flüssig über die Produktion, den Abriss von Bunker Hill, die Schwierigkeiten mit der Zensur.

Berlinale 2013: Tokyo kazoku, Yoji Yamada, 2013

Den schönsten Film der Berlinale, bisher mein Film des Jahres, gesehen am letzten Tag des Festivals, hier kurz notiert, da er ansonsten ein wenig untergegangen zu sein scheint: Yoji Yamada hat ein wunderschönes Remake von Ozus Tokyo monogatari gedreht. Tokyo kazoku folgt dem Original über weite Strecken überraschend genau, die wenigen Änderungen, die direkt ins Auge springen, erscheinen eher als spielerische Variationen, denn als Neuerungen, die Differenz markieren wollen: Zum Beispiel beginnt der Film nicht bei den Alten und ihren Reisevorbereitungen, sondern bei der jüngeren Generation und ihren Problemen, die Alten in Empfang zu nehmen; da reicht Yamada einfach nur etwas nach, was Ozus Film nicht zeigen konnte. Es ist ein Segen, dass der Klassizist Yamada das Remake verantwortet und nicht einer der modernistischen Nachfolger Ozus. Die sind für sich selbst betrachtet zT sogar bessere Regisseure: Hou und Kiarostami vor allem. Aber vom emotionalen Kern speziell dieses einen Films (oder vermutlich: jedes einzelnen Films) wäre bei ihnen nicht viel übrig geblieben. Dennoch hat auch Yamada natürlich nicht einfach noch einmal denselben Film gedreht. Die kleinen Akzentverschiebungen, die sich aus jeder einzelnen Besetzung, aus jedem Dialogsatz ergeben, summieren sich zu einer großen: Tokyo kazoku ist ein Film nicht mehr über upward, sondern über downward mobility. Die Eltern sind nicht mehr die abgehängten Relikte aus der noch kaum industrialisierten Vorkriegszeit, sondern im Gegenteil die Vertreter einer Japan AG, die längst aus dem Takt geraten ist. Peinlich sind sie den Jungen höchstens, weil sie in ihrem ganzen Auftreten für bessere, wohlhabendere Zeiten einstehen; selbst das Besäufnis des Großvaters wirkt wie eine Spur in ein anderes, ökonomisch sichereres Japan, als man noch so fest in den Firmenkörper integriert war, dass das gemeinsame Sich-Abschießen nach Feierabend als risikoarmer Lastenausgleich durchging. Es gibt auch keine Setsuko Hara mehr, auf die man die ganze Wucht der Generationenkonflikte abladen könnte. Das ist dann doch eine zentrale Änderung: Der jüngste Sohn ist nicht gestorben, die Frau, die er zu heiraten gedenkt, ist zwar unverkennbar nach Setsuko Hara modelliert, aber doch nur bis zu einem gewissen Grad; opfern wird sie sich nicht, nicht für den Sohn, schon gar nicht für die Eltern. Yamada bezieht sich nicht einfach nur ehrfurchtsvoll, sondern regelrecht zärtlich aufs Original. Das kann man bis in die einzelnen Einstellungen nachverfolgen; wobei Yamada natürlich kein "metrischer Regisseur" ist wie Ozu, was an seinem Film streng ist, ist streng nicht, um sich in ein System zu fügen, sondern, um schließlich doch dem Gefühl zu weichen: als Fallhöhe. Manchmal gibt die (ansonsten wie im Original unbewegte) Kamera dem Film ein wenig nach, erlaubt sich einen kurzen Schwenk, der ein Gefühl registriert, einen Affekt aufgreift, der bei Ozu im starren frame gefangen geblieben wäre.

Monday, February 18, 2013

Berlinale 2013: final ratings


taken from here. sometimes adjusted (mostly down)

Yukigumo / Farewell to Dream (Keisuke Kinoshita, Forum) +++
Tokyo kazoku / Tokyo Family (Yoji Yamada, Spezial) +++
Onna / Woman (Keisuke Kinoshita, Forum) +++
Parde (Panahi / Partovi, Wettbewerb) +++
Das Merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, Forum) +++
Shito no densetsu / A Legend or Was It (Keisuke Kinoshita, Forum) +++
Viola (Matias Pineiro, Forum) +++
Nugu-ui Ttal-do Anin / Nobody's Daughter Haewon (Hong Sang-soo, Wettbewerb) +++
Computer Chess (Andrew Bujalski, Forum) +++
I Used to Be Darker (Matthew Porterfield, Forum) ++
Die Wiedergänger (Andreas Bolm, Perspektive) ++
Kanko no machi / Jubilation Street (Keisuke Kinoshita, Forum) ++
Vic et Flo ont vu un ours (Denis Cote, Wettbewerb) ++
Hayatboyu (Aslı Özge, Panorama) ++
Stemple Pass (James Benning, Forum) ++
Gold (Thomas Arslan, Wttbewerb) ++
Kya hua is shahar ko? / What Happened to This City? (Deepa Dhanraj, Forum) ++
Portrait of Jason (Shirley Clarke, Forum) ++
Al-khouroug lel-nahar / Coming Forth by Day (Hala Lotfy, Forum) ++
Jin (Reha Erdem, Generation 14+) ++
A Batalha de Tabato / The Battle of Tabato (Joao Viana, Forum) ++
Mes seances de lutte / Love Battles (Jacques Doillon, Panorama) ++
Materia oscura / Dark Matter (Anolfi / Parenti, Forum) ++
Prince Avalanche (David Gordon Green, Wettbewerb) ++
Uroki garmonii / Harmony Lessons (Emir Baigazin, Wettbewerb) +
Le Cousin Jules (Dominique Benicheti, Forum) +
Leviathan (Castaing-Taylor / Paravel, Forum Expanded) +
Grzeli nateli dgeebi / In Bloom (Ekvtimishvili / Groß) +
Assistance mortelle / Fatal Assistance (Raoul Peck, Spezial) +
Boven is het stil / It's All So Quiet (Nanouk Leopold, Panorama) +
Metamorphosen (Sebastian Mez, Perspektive) +
Le Meteore (Francoise Delisle, Forum) +-
La Maison de la Radio (Nicolas Philibert, Panorama) +-
Camille Claudel, 1915 (Bruno Dumont, Wettbewerb) +-
Terra de ninguem / No Man's Land (Salome Lamas, Forum) +-
Kashi-ggot / Fatal (Donku Lee, Panorama) +-
Halbschatten (Nicolas Wackerbarth, Forum) +-
...Moddhikhane Char / Char... The No Man's Island (Sourav Sarangi) +-
Will You Still Love Me Tomorrow (Arvin Chen, Panorama) +-
Gaza Home Movies (Basma Al-Sharif, Forum Expanded) +-
Interior. Leather Bar. (James Franco / Travis Mathews, Panorama) -
Chebni sabnis naketsi / A Fold in My Blanket (Zaza Rusadze, Panorama) -
Soğuk (Uğur Yücel, Panorama) -
Upstream Color (Shane Carruth, Panorama) -
Za Marksa... / For Marx... (Svetlana Baskova, Forum) -
Side Effects (Steven Soderbergh, Wettbewerb) -
Frances Ha (Noah Baumbach, Panorama) -
The Grandmaster (Wong Kar Wai, Wettbewerb) --
Kai po che! / Brothers for Life (Abhishek Kapoor, Panorama) --
Layla Fourie (Pia Marais, Wettbewerb) --
Sto lyko / To the Wolf (Christina Koutsospyrou / Aran Hughes, Forum) --
La Plaga / The Plague (Neus Ballus, Forum) --
Sakura namiki no mankai no shita ni / Cold Bloom (Atsushi Funahashi, Forum) --
La Paz (Santiago Loza, Forum) ---
Gloria (Sebastian Lelio, Wettbewerb) ---
Die 727 Tage ohne Karamo (Anja Salomonowitz, Forum) ---
Chiralia (Santiago Gil, Perspektive) ---
Lose Your Head (Stefan Westerwelle, Panorama) ---
Belleville Baby (Mia Engberg, Panorama) [w/o] ---
Helio Oiticica (Cesar Oiticica Filho, Forum) ---
Matar extranos / Killing Strangers (Jacob Sechser Schulsinger / Nicolas Pereda, Forum) ---

"The Weimar Touch"

*Letter From an Unknown Woman (Max Ophüls, Retrospektive) +++
*How Green Was My Valley (John Ford, Retrospektive) +++
None Shall Escape (Andre de Toth, Retrospektive) +++
*Fury (Fritz Lang, Retrospektive) +++
*Out of the Past (Jacques Tourneur, Retrospektive) +++
The Chase (Arthur Ripley, Retrospektive) +++
*To Be Or Not To Be (Ernst Lubitsch, Retrospektive) +++
*Touch of Evil (Orson Welles, Retrospektive, beide Fassungen) +++
Hitler's Madman (Douglas Sirk, Retrospektive) +++
*Hangmen Also Die! (Fritz Lang, Retrospektive) +++
M (Joseph Losey, Retrospektive) +++
*Casablanca (Michael Curtiz, Retrospektive) +++
The Queen of Spades (Thorold Dickerson, Retrospektive) +++
Le Corbeau (Georges-Henri Clouzot, Retrospektive) +++
The Small Back Room (Michael Powell / Emeric Pressburger, Retrospektive) ++
Le Golem (Julien Duvivier, Retrospektive) ++
Gado Bravo (Antonio Lopes Ribeiro, Retrospektive) ++
*Some Like It Hot (Billy Wilder, Retrospektive) ++
Viktor und Viktoria (Reinhold Schünzel, Retrospektive) ++
*Komedie om Geld (Max Ophüls, Retrospektive) ++
Confessions of a Nazi Spy (Anatole Litvak, Retrospektive) +
Mollenard (Robert Siodmak, Retrospektive) +
Car of Dreams (Cutts / Melford, Retrospektive) +
Peter (Henry Koster, Retrospektive) +
First a Girl (Victor Saville, Retrospektive) +
A Midsummer Night's Dream (Dieterle / Reinhardt, Retrospektive) +
Pieges (Robert Siodmak, Retrospektive) +-
Ergens in Nederland (Ludwig Berger, Retrospektive) +-
Einmal eine große Dame sein (Gerhard Lamprecht, Retrospektive) -
Het Mysterie van de Mondscheinsonate (Kurt Gerron, Retrospektive) -

*not seen at Berlinale 2013

Friday, February 08, 2013

Grandmaster Pixelbrei

Thomas kommt am Ende seiner "The Grandmaster"-Kritik kurz darauf zu sprechen. Hier noch ein wenig ausführlicher.

Nikolaus und ich hatten während der Vorführung kurz überlegt, ob vielleicht tatsächlich eine BluRay eingelegt worden war. Schließlich saßen wir in der zweiten, eine halbe Stunde nach der ersten gestarteten Pressevorführung. Und es wäre ja möglich (wenn auch nicht wahrscheinlich) gewesen, dass nur eine vernünftige Kopie verfügbar war. Offensichtlich jedoch ging es allen anderen nicht besser, weder in der ersten Pressevorführung, noch bei der regulären Vorführung am Abend im Friedrichstadtpalast. Wer dort vorne gesessen hat, wird jedes Pixel einzeln begrüßt haben können. Man kann nicht viel drumherum reden: Die Projektionsqualität von "The Grandmaster" - immerhin der Eröffnungsfilm eines der drei wichtigsten Filmfestivals der Welt - war eine einzige Katastrophe.

Die größten Probleme kennt man vom eigenen Fernseher: Digital errechnete Bilder haben - zumindest derzeit noch - Probleme mit gewissen Abschnitten der Farbskala; vor allem mit den extrem dunklen Abschnitten. Eine gute DCP kann diese Schwächen halbwegs (nie ganz) verschleiern. Bei einer schlechten DCP verlieren die dunklen Partien der Leinwand alle Nuancen, bei noch schlechteren kommt es zur Artefaktbildung (Streifen etc). "The Grandmaster" wurde offensichtlich in einer derartigen noch schlechteren Version aufgeführt (wenn es nicht doch von Anfang an keine DCP, sondern ein minderwertiger Datenträger war; ich habe, ganz ehrlich, bessere DVD-Screenings gesehen). Die Gesichter dagegen fasern entweder an den Rändern in Pixelbrei aus, oder es ergeben sich, bei harten Kontrasten zum Hintergrund, gräßliche Scherenschnitteffekte. Bei einigen anderen Problemen war ich mir nicht ganz sicher, ob sie komplett der Projektion, oder teilweise doch der Postproduktion (color grading etc) anzulasten sind. Ein Abgleich mit einer korrekt projizierten 35mm-Kopie würde jedoch garantiert noch jede Menge weiterer Transferfehler offenbaren.

Das Ärgernis besteht eben nicht nur darin, dass eine schlechte bis unterirdische DCP vorgeführt wurde; sondern schon darin, dass überhaupt eine DCP vorgeführt wurde. "The Grandmaster" wurde, wie nicht mehr allzu viele zeitgenössische Filme, auf 35mm gedreht; und läuft bereits seit einem Monat in China, auf einem riesigen Filmmarkt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es da unmöglich gewesen wäre, wenigstens eine 35mm-Kopie aufzutreiben für den Festivaleinsatz. War dem Festival die Recherche zu aufwändig? Hätte man gar extra Untertitel anfertigen müssen? Man weiß es nicht... Jedenfalls wurde dann statt dessen einfach irgendetwas an den Projektor angeschlossen, auf dem "Grandmaster" steht. Ich vermute schon seit längerem, dass die Digitalisierung dem Kino primär nicht deshalb schadet, weil sie die unterlegene Technik ist (obwohl sie das, zumindest bislang, durchaus noch ist), sondern, weil sie eine oft geradezu unfassbare Sorglosigkeit zur Folge hat. Die analoge Technik garantierte, qua Apparat, zumindest ein gewisses Maß an Respekt für das Bild. Jetzt brechen alle Dämme.

Saturday, February 02, 2013

Berlinale 2013: Tips and Warnings

(update 05/02/12: Stemple Pass added)
(update 03/02/12: Viola adjusted up)

Onna / Woman (Keisuke Kinoshita, Forum) +++
Das Merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, Forum) +++
Shito no densetsu / A Legend or Was It (Keisuke Kinoshita, Forum) +++
Viola (Matias Pineiro, Forum) +++
Kanko no machi / Jubilation Street (Keisuke Kinoshita, Forum) ++
Hayatboyu (Aslı Özge, Panorama) ++
Stemple Pass (James Benning, Forum) ++
Portrait of Jason (Shirley Clarke, Forum) ++
Al-khouroug lel-nahar / Coming Forth by Day (Hala Lotfy, Forum) ++
Jin (Reha Erdem, Generation 14+) ++
A Batalha de Tabato / The Battle of Tabato (Joao Viana, Forum) ++
Le Cousin Jules (Dominique Benicheti, Forum) +
Boven is het stil / It's All So Quiet (Nanouk Leopold, Panorama) +
Halbschatten (Nicolas Wackerbarth, Forum) +
La Maison de la Radio (Nicolas Philibert, Panorama) +-
Terra de ninguem / No Man's Land (Salome Lamas, Forum) +-
...Moddhikhane Char / Char... The No Man's Island (Sourav Sarangi) +-
Will You Still Love Me Tomorrow (Arvin Chen, Panorama) +-
Interior. Leather Bar. (James Franco / Travis Mathews, Panorama) +-
Soğuk (Uğur Yücel, Panorama) -
Frances Ha (Noah Baumbach, Panorama) -
Sto lyko / To the Wolf (Christina Koutsospyrou / Aran Hughes, Forum) --
La Plaga / The Plague (Neus Ballus, Forum) --
Sakura namiki no mankai no shita ni / Cold Bloom (Atsushi Funahashi, Forum) --
La Paz (Santiago Loza, Forum) ---
Die 727 Tage ohne Karamo (Anja Salomonowitz, Forum) ---
Lose Your Head (Stefan Westerwelle, Panorama) ---
Helio Oiticica (Cesar Oiticica Filho, Forum) ---
Matar extranos / Killing Strangers (Jacob Sechser Schulsinger / Nicolas Pereda, Forum) ---

Letter From an Unknown Woman (Max Ophüls, Retrospektive) +++
How Green Was My Valley (John Ford, Retrospektive) +++
Fury (Fritz Lang, Retrospektive) +++
Out of the Past (Jacques Tourneur, Retrospektive) +++
To Be Or Not To Be (Ernst Lubitsch, Retrospektive) +++
Touch of Evil (Orson Welles, Retrospektive, beide Fassungen) +++
Hitler's Madman (Douglas Sirk, Retrospektive) +++
Hangmen Also Die! (Fritz Lang, Retrospektive) +++
Casablanca (Michael Curtiz, Retrospektive) +++
The Small Back Room (Michael Powell / Emeric Pressburger, Retrospektive) ++
Some Like It Hot (Billy Wilder, Retrospektive) ++
Komedie om Geld (Max Ophüls, Retrospektive ++
Peter (Henry Koster, Retrospektive) +
Einmal eine große Dame sein (Gerhard Lamprecht, Retrospektive) +-