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Friday, November 30, 2012

Killer Joe, William Friedkin, 2011 / Beasts of the Southern Wild, Benh Zeitlin, 2012

Wie wenig amerikanische Filme ehrlich über Armut sprechen, habe ich noch einmal bemerkt, als ich im Laufe der Achtziger-Sichtung auf einige gestoßen bin, die es immerhin versuchen: Country von Richard Pearce zum Beispiel, oder Hard Country von David Greene. Und heute? In ihrer jeweiligen Niedertracht einander perfekt ergänzend: Killer Joe von William Friedkin und Beasts of the Southern Wild von Benh Zeitlin.

Der erste ist ein Film, der nicht nur noch einmal nachtritt, wenn einer am Boden liegt, sondern der dazu auch noch lustigen upbeat-Rock'n-Roll spielt. Ich glaube, das war die Szene, in der mir klar wurde, dass der Film tatsächlich selbst so schäbig ist, wie er mit viel Lust aussieht. Danach wird der trailer trash einer unbarmherzig stumpfen Theatermechanik ausgeliefert, das ist alles, mehr fällt Friedkin nicht ein zum Amerika des Jahres 2011. Exploitation, die nichts öffnet, sondern sich in sich selbst verschließt. Der eine ist ein Film, der Stolz darauf ist, keine Empathie für niemanden zu haben.

Der andere ist ein Film, der so tut, als würde jedes Bild überfließen vor Empathie für das, was es zeigt. Und der dann gleichzeitig jede Gefühlsregung einerseits auf das perfekte Andere der anvisierten Zuschauerschaft projiziert (auf das kleine schwarze Mädchen in der Hippiekommune, die Krustentiere von Hand knacken kann) und sie so weit verallgemeinert, dass sie doch wieder niemandem gelten kann. Arthauskosmologie, in der schlimmen Tradition von Iñárritu und Haggis: "Im Universum hängt alles mit allem zusammen" - und weil das so ist, muss man sich nicht mehr darum kümmern, ob und wie das eine mit dem anderen dann auch ganz konkret zusammenhängen könnte, die Hippiekommune mit der Fabrik hinter dem Stauwall zum Beispiel.

(Und wo hätte das deutsche Kino, nach Slatan Dudow, auch nur versucht, über Armut zu sprechen?)