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Monday, July 30, 2018

Konfetti 12: Fußball

Warum gibt es so wenig interessante, oder auch nur populäre Fußballfilme? Das kann man sich gerade jetzt wieder fragen, nachdem die WM in Russland wochenlang (oder zumindest bis zum Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft) in aller Munde, auf allen Kanälen war. Natürlich gibt es jede Menge Fußballfilme, und durchaus auch ein paar sehenswerte, aber angesichts der Tatsache, dass zumindest in Europa und Lateinamerika kaum ein Thema über alle sonstigen gesellschaftlichen Verwerfungen hinweg konsensfähiger ist als Fußball, darf man sich schon fragen, weshalb der Sport insbesondere im Erzählkino so wenig bleibende Spuren hinterlassen hat.

Das mag auch eine Geschmackssache sein, klar; aber zumindest mir fallen auf Anhieb mehr sehenswerte Box-, Baseball- und selbst Golffilme ein als Fußballfilme. Ist Fußball ein unkinematografischer Sport? Oder ist er dem Kino ganz im Gegenteil zu ähnlich? Schließlich gibt es viele Parallelen, angefangen bei Formalitäten: Ein Fußballspiel hat dieselbe Länge wie ein durchschnittlich langer Kinofilm: 90 Minuten plus ein bisschen Nachspielzeit. Außerdem ist Fußball ein inhärent melodramatischer Sport, was ihn zumindest von Baseball und Golf abhebt; und selbst beim Boxen kommt das Melodrama möglicherweise eher von außen, ergibt sich nicht in gleicher Weise wie beim Fußball aus dem physischen Geschehen, sondern ist auf das Drumherum der Vermarktung und der Präsentation angewiesen.

Etwas spekulativer: Sogar der Rhythmus eines Fußballspiels scheint mir vergleichsweise kinonah. Wie ein Film gliedert sich ein Spiel in eine Reihe einigermaßen distinkter Szenen, die mal nur wenige Sekunden, teils aber auch mehrere Minuten dauern. Spielunterbrechungen beim Seitenaus oder nach Fouls sorgen für kleine, Tore für größere Zäsuren. Dennoch bleibt der “Erzählfluss” gewahrt und auch einigermaßen variabel. Baseball und Golf, oder auch das im Kino ebenfalls recht gut repräsentierte American Football, sind hingegen stärker formalisiertere Sportarten, sind gekennzeichnet durch strikte, komplexe Regelsysteme und fixierte Positionzuteilungen, die einzelnen Partien beziehungsweise Wettkämpfe entwickeln sich weit weniger flüssig, ähneln eher einer Serie distinkter Entladungen, unterbrochen von oft längeren Pausen.

Vielleicht macht gerade das diese anderen Sportarten fürs Kino attraktiv: sie können leichter in einzelne, isolierte Fragmente zergliedert und also solche in eine Filmerzählung eingebaut werden. Ein Fußballspiel hingegen ist nur vom großen melodramatischen Bogen her wirklich lesbar. Es lässt sich nicht vom Kino vereinnahmen, sondern strebt vielmehr danach, das Kino zu ersetzen, ein ähnlich absolutes, selststabilisierendes Diktat der Sichtbarkeit zu errichten (siehe auch: Fußball wie noch nie, Hellmuth Costard, 1971 und Zidane, un portrait du 21e siècle, Douglas Gordon & Philippe Parreno, 2006 - zwei erstaunliche Fußballfilme, die ebenfalls darauf hinauslaufen, dass Fußball und Kino eins werden).

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Es gibt natürlich trotzdem tolle Fußballkinomomente. Aber die haben fast nie etwas mit dem glamourösen Profi- oder auch nur dem reglementierten Vereinssport zu tun. Viel öfter geht es um alltagsnahe Szenen, die den Sport auf seine kinetische Grundlagen reduzieren: ein Ball, der einerseits von Menschen in Bewegung gesetzt wird, und der andererseits zum Dreh- und Angelpunkt der Bewegungen dieser Menschen wird. Eine meiner Lieblingsfußballszenen habe ich in einem vergessenen deutschen Film der frühen 1980er-Jahre entdeckt: Jetzt und Alles, 1981, Regie Dieter Meier, Kamera Gérard Vandenberg. Ein Film, der die kalte Energie des New-Hollywood-Genrekinos auf überraschend schlüssige Art in ein rauhes No-Future-Berlin überträgt.

Richy Müller spielt den New-Wave-Sänger Marcel Tiss, der sich von Rudy Smirak (Jean-Pierre Kalfon), einem französischen Gangster, in eine Entführungsgeschichte hineinziehen lässt. Aber zunächst einmal müssen die beiden ein Auto stehlen. Während sich Smirak im Wagen zu schaffen macht, blickt Tiss sich um. Ein dumpfes, leises Geräuch lenkt seine Aufmerksamkeit auf sich. Es folgt ein Point-of-View-Shot: Zu sehen ist die Eckwand eines Hauses, hinter der ein Fußball herausgesprungen kommt. Fußballspieler sind zunächst nicht zu sehen, der Ball erscheint “aus dem Nichts” im Bild, als ein autonomes Bewegungselement, das nach dem nächsten Schnitt gleichzeitig Tiss und die Kamera aktiviert. Tiss wirft die Tür des Wagens zu, stoppt den Ball am Fuß, rennt auf zwei in der vorherigen Einstellung unsichtbare Jungs zu, versucht sie zu umspielen, verliert den Ball, rennt, als er das Aufheulen des Motors hört, wieder in die andere Richtung und springt ins anfahrende Auto, das anschließend beschleunigt und sich aus dem Bild entfernt.

Das alles in einer Einstellung gefilmt - eine brillante Plansquenz, allerdings eine der unauffälligen Art, weil sie nicht ihre eigene filmtechnische Brillanz, sondern, zumindest auf den ersten Blick, ganz hinter dem Dargestellten verschwindet. Genauer gesagt lässt sie sich vom Bewegungsmoment des Fußballsports affizieren. Sie beginnt eng geframt mit einer Nahaufnahme: Das Aufprallen des Balls aktiviert Tiss, sein vorher eher fahrig und unkonzentriert anmutender Körper wird unter Spannung gesetzt. Der Ball zentriert den Körper und auch den Kamerablick, der nach unten schwenkt und jetzt die Beine fokussiert, die den Ball erst routiniert stoppen und sich gleich darauf in Bewegung setzen. Wie, als würde sich da eine vorprogrammierte Körpermechanik in Gang setzen, die sich gleichzeitig auf die Kamera überträgt.

In den folgenden Sekunden erweitert sich der Blick erst zu einer Halbnahen und dann, wenn die Kamera um die Eckwand herumgleitet und den Blick auf eine Strassenflucht freigibt, zu einer Totalen. Die pure Bewegungsenergie wird erst in eine soziale Situation übertragen, und verflüchtigt sich dann, wenn das Auto sich von der Kamera weg aus einem Parkplatz entfernt, in das strukturierte Chaos des urbanen Alltags.



Die Textreihe "Konfetti" entsteht im Rahmen des Siegfied-Kracauer-Stipendiums. Mehr Informationen hier.

Thursday, May 29, 2008

Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000 / Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird, Alain Tanner, 1976

Gerade einmal acht Jahre nach 68 entsteht dieser Film und wählt doch schon einen dezidiert nostalgischen Grundton. Noch schwingt ein wenig Euphorie mit, ein wenig Wille zum Diskurs, doch meistens wird beides auf die zwischengeschobenenen Schwarz-Weiß-Sequenzen verschoben, die auf nicht uninteressante Weise chargieren zwischen mindestens Erinnerung, Reenactment, Utopie, Wunschvorstellung und Traum. In der Gegenwart sind die großen Ideen gescheitert, empirische Realität und Diskurs unterschieden sich wieder im Bildstatus.
Zuerst einmal lebt man immer noch in der französischen Schweiz, vielleicht ist das sogar das schlimmste an der Sache, wer weiß. Wie hätte so eine Revolution auch jemals ausgerechnet in der französischen Schweiz funktionieren können, zwischen zwar unpersönlich/entfremdenden, aber dabei doch auf eine enttäuschende Art bescheidenen Bankmetropolen (das Kapital hat keine hässliche Fratze, sondern siegt durch Langeweile und ganz viel Beton) und großen Landwirtschaftsbetrieben, die schon lange nicht mehr in dörfliche Strukturen eingebunden sind. Vielleicht noch am ehesten in den mondänen Wintersportorten, doch dahin wagt sich Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000 nicht. Statt dessen verfolgt er das ziellose Kleinbürgertum, das alles tut, um seinem Kleinbürgertum zu entkommen und schnell feststellen muss, dass der einzige zur Verfügung stehende Ausstieg ein Abstieg ist.
Die Niederlage im entscheidenden Kampf ist eingestanden, auch der Film selbst verzichtet bis auf wenige Ausnahmen (Parallelmontage Waffenarsenale in der Militärparade und Warenarsenalen im Supermarkt) selbst auf die Rhetorik der Agitation, verhandelt wird der Status der Nebenkriegsschauplätze. Den vollkommenen Umschwung der Selbstverwirklichungsideologie in Konsumlogik vollzieht Tanner noch nicht nach, vielleicht war das 1976 auch noch nicht nachzuvollziehen. Aber einige Unterscheidungen lassen sich schon treffen: Erfolgreich nach ihren eigenen Maßstäben sind rein individuelle Projekte, vor allem das sexuelle, alles, was aufs Soziale zielt, hat keine hohe Lebenserwartung: Nach ein paar Monaten richtiger Schule im falschen Leben werden beide Lehrer des Films der Schule verwiesen (wenn ich mir die dämlich schwadronierenden Unterrichtsutopien Tanners anschaue allerdings durchaus: zurecht). Auflehnungen gegen das Kapital selbst, werden entweder radikal niedergeschlagen (die Kassiererin), oder folgen auf längere Sicht derselben Logik wie das Kapital selber und wirken genauso zerstörerisch aufs Soziale wie dieses selbst (die Bauersfrau turned Öko-Unternehmerin, in dieser Figur wird am Ende doch etwas sichtbar von der Generation Bionade).
Nicht nur in diesem Punkt entwickelt Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000 analytische Schärfe. Doch insgesamt dominiert die Nostalgie. Der Feind, das System bleibt außen, unsichtbar, selbst dem Grundstücksspekultant gelingt es fast, der Bauernkommune seine eigene gegenkulturelle Befindlichkeit aufzubinden (auch dies eine der analytischeren Szenen im Film: Vertrieben wird er schließlich nicht von den ihm artverwandten Kleinbürgern, sondern vom aggressiven Proletariat, das ihn doch tatsächlich aufzufressen droht). Das zähe Durcheinander aus Tantra, Biobauernhof und alternativer Pädagogik, wurde aeinst aufgenommen als sympathisierendes, fast hoffnungsvoles Generationenporträt, mich lehrt es eher das Gruseln. Und ziemlich langweilig ist der Film - nebenbei bemerkt - sowie.

Monday, March 10, 2008

Ein Lied für Argyris, Stefan Haupt, 2007

Argyris Sfountouris hat recht: Der moralische Bankrott der Generation Merkel wird von einem sprachlichen begleitet. Man leistet nicht nur gerne Trauerarbeit, zu allem Überfluss nennt man sie auch noch so. Der deutsche Botschafter in Athen verbindet Merkels Sprachverirrungen und Schröders patriarchalisch-debilen Tonfall. Die Konsequenzen seiner "Betroffenheit" will er natürlich nicht ziehen, schließlich sei es ehrenrührig von einem befreundeten Land Kriegsentschädigungen zu fordern. Im Klartext: Verbündeten bekommen kein Geld und unseren Feinden zahlen wir natürlich gleich gar nichts. Kein Geld für niemand. Dies ist nicht nur Spiegel/Merkel/Schröder-Meinung sondern leider Gottes Konsens bis tief in die Linke. Sfountouris wird bei seinem Besuch in Berlin folglich auch nur von einer Handvoll junger Menschen begleitet, die ganz dezidiert auch bei den Jusos keinen Platz finden (kann natürlich sein, dass doch auch ein paar Jusos dabei waren, wer weiß, aber vor allem insgesamt: sehr wenige).
Dieser Kern des Films ist sein Schluss. Davor holt Haupt weit aus, über die Jugend im griechischen Dorf und bedrückende Reenactments des Massakers aus Opferperspektive bis zur Hoffnung auf die Wiederauferstehung des humanen Abendlandes in der Schweiz und die Zerstörung dieser Hoffnung im griechischen Militärputsch. Mikis Theodorakis werde ich zwar auch weiterhin und unter allen Umständen nicht in meine Plattensammlung aufnehmen, aber das hat jetzt noch stärker als vorher ausschließlich musikalische Gründe.
Der Film braucht diese ersten zwei Drittel, um die Perfidie Spiegels et al am Ende umso deutlicher heruauszustellen. In deren Verlauf macht er nicht immer alles richtig (der Voice-Over Kommentar hat seine schwachen Momente: "die Zeit heilt alle Wunden. Sagt man" und ein paar Mal zu oft panflötet es über poetischen Dorfwiesen) aber insgesamt doch das meiste. Und ein durch und durch wichtiger Film ist Ein Lied für Argyris ohnehin. Und auch dieser Film entstand nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz. Hierzulande dreht sogar ein Hartmut Bitomsky inzwischen Filme über Staub.

Monday, February 12, 2007

Berlinale 2007: I Was A Swiss Banker, Thomas Imbach, 2007

Ein schweizer Banker schmuggelt Schwarzgeld über den Bodensee. Er erläutert sein vorgehen in schweizerdeutschem Voice-Over. In Hochglanzoptik präsentiert Thomas Imbach seinen kurzen Prolog. Der Bodensee glänzt, die Sonnenbrille des Bankers namens Roger auch und dessen Porsche sowieso. Die Sequenz endet damit, dass Roger vor der Polizei fliehen muss, sich dabei in die Hose scheisst und die Exkremente an der Wiese abwischt. Dann beginnt der wunderbare Vorspann (der in dem noch wunderbareren Abspann wieder aufgegriffen werden wird. Nach dem furiosen Auftakt landet Roger auf einer Insel (?) im Bodensee (?) und trifft dort eine Art Hexe (?), die es auf ihn abgesehen zu haben scheint. Wie überhaupt der ehemalige Banker plötzlich bei der Damenwelt hoch im Kurs zu stehen scheint. Nacheinander lernt er vier Frauen größtenteils nichtschweizer Herkunft kennen, doch mit keiner ist ihm dauerhaftes Glück vergönnt.
Von Rogers ehemaliger Karriere im Finanzgeschäft zeugt im restlichen Verlauf des Films nur noch eine rote Reisetasche, randvoll mit Schwarzgeld. Ansonsten bleibt die Bankervergangenheit ausgespart, ohne dass sie im Leben des Betroffenen oder im Film insgesamt durch eine vergleichbar handfeste Tätigkeit bzw. ein Thema im engeren Sinne ersetzt werden würde. Noch am ehesten scheint es um Sex zu gehen. Imbachs Film inszeniert in rascher Folge weibliche Übergriffe auf den männlichen Körper im Allgemeinen und Rogers Penis im Besonderen. Die Versuche des dreitagebärtigen Schweizers, den Frauen, die von ihm nacheinander Besitz ergreifen, irgendwie Herr zu werden, scheitern stets kläglich, obwohl die realen Abhängigkeitsverhältnisse traditionell gepolt sind, schließlich sind Osteuropäerinnen, Türkinnen und Araberinnen auf die Gnade der Grenzbeamten angewiesen.
I Was a Swiss Banker ist jedoch auch der beste Film über die Schweiz, den ich bisher gesehen habe (zugegebenermaßen verfüge ich nicht über allzu viel Vergleichsmaterial). Imbacheröffnet eine Folge von potentiell touristisch verwertbaren Panoramen, bestehend meist aus Seen (nach dem Bodensee folgen eine Reihe weiterer, unter anderem glaube ich der Zürichsee), Alpwiesen, jeder Menge Schafe und sanften Hügeln. Zum Heidi-Klischee gerinnen diese Settings jedoch nie, obwohl alles glitzert und funkelt wie verrückt. (In der Tat ist es vor allem die eigenartige Hochglanzoptik – die vor allem in den Szenen im Wasser zu bewundernswerten Resultaten führt –, die den Reiz des Films ausmacht, grellbunter Alpenkitsch, präsentiert in meist kurzen Einstellungen und mit einer Vorliebe für hetische Handkameraaufnahmen, in den immer wieder Irritationen einbrechen, wie Rogers Fäkalien zu Beginn oder auch mal abgerissene Vogelköpfe.) Doch zwischen den Naturszenen (in welchen Roger stets bedeutend weniger Kleider am Leib trägt als seine Gespielinnen, selbst die Wet-Sex-Szene erotisiert eher ihn als seine Partnerin) schiebt sich immer wieder eine andere Schweiz. Hier spielt der Film in kleinen Hotels, Touristenrestaurants, Polizeirevieren oder Bauernhöfen. Keine dieser Örtlichkeiten nimmt wirklich Gestalt, keine wird in ihrer Gesamtheit repräsentiert, als Lebens- oder Arbeitsraum und dennoch schreiben sich unterschiedlichste Diskurse in sie ein, die ein weitaus präziseres Bild der schweizer Wirklichkeit zeichnen, als es konventionellere Modi der Beobachtung vermögen würden. Eine seltsame Mischung aus scheinbarer kapitalistischer Weltoffenheit und institutionellem Rassismus, aus dem Bewusstsein der eigenen geopolitischen Nichtigkeit, vermischt mit der Illusion, trotzdem irgendwie etwas ganz besonderes zu sein.
Ein Film aus einem Land eben, das zwar die älteste Demokratie der Welt vorweisen kann, in welchem jedoch dennoch erst seit 1990 alle Frauen das Wahlrecht erhielten (zuletzt in Appenzell-Innerrhoden). Aus einem Land, das immer noch nicht der UN beigetreten ist und sich damit in reichlich seltsamer Gesellschaft befindet ().
Imbachs heterogener, sprunghafter Erzählstil in Verbindung mit einer ebensolchen Kamera kann leicht in die Hose gehen. Lenz etwa habe ich kaum ertragen können in seinen Versuchen, die Neurosen eines Berliner Theaterintendanten oder was zu ergründen. I Was A Swiss Banker jedoch macht fast alles richtig (auch wenn das Ganze am Ende vieleich doch etwas zu sehr ausfranst). Roger ist von Anfang an jenseits der Psychologisierung und der Familiengeschichte (auch die nervte in Lenz) und dient lediglich als immer gut frisierters freischwebendes Objekt, das einerseits von erotischen und anderen Zugriffen in Anspruch genommen werden kann und andererseits als Bilder- und Narrationsmaschinerie dienen kann, die ein Postkartenpanorama und eine abstruse Nebenhandlung nacheinander zu produzieren vermag. Wenn dann alles vorüber ist (und wie gesagt, der Abspann ist hervorragend) ist man vielleich nicht viel schlauer, aber möglicherweise doch auf eine ganz seltsame Weise glücklich…