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Tuesday, May 22, 2007

Red Dust, Victor Fleming, 1932

Dass Victor Flemings Film vor der rabiateren Durchsetzung des Production Codes entstanden ist, wird zu allererst durch die Figur Valentine Jefferson (gespielt von Jean Harlow) deutlich. Derart selbstbewußt und gleichzeitig spielerisch konnten Frauen ihre Sexualität in den darauffolgenden Jahrzehnten nie wieder in Szene setzen (und sie tun es - zumindest im amerikanscieh Film/Fernsehen eigentlich bis heute nicht). Hier lohnt ein Vergleich mit John Fords großartigem Remake des Films: In Mogambo übernimmt Ava Gardner Harlowes Rolle, interpretiert sie jedoch völlig anders. Hier ist sie im Grunde nicht mehr als Clark Gables (der in beiden Filmen die männliche Hauptrolle spielt) bester Kumpel, in den sie sich mehr oder weniger zufällig verliebt, ein burschiköses, alles andere als feminines Mädchen. Wie sie sich am Ende gegen Grace Kelly durchsetzen kann, bleibt sowieso ein Rätsel. In Red Dust fragt man sich eher anders herum, warum Gable im eher zähen mittleren Abschnitt des Films überhaupt nach anderen Optionen Ausschau hält.
Dass der Film auf der anderen Seite vom Code nicht ganz unbeeindruckt bleibt, zeigt die unterschiedliche Behandlung der Beziehungen Gables zu den beiden Frauen. Der aus ihrer Sicht außereheliche Sex mit Mary Astor findet sozusagen in einer impliziten Ellipse statt. Nur zweimal befindet er sich in ihrem Zimmer, und jedesmal verlässt er es wieder, bevor es zum Vollzug kommt. Der eigentliche Geschlechtsverkehr (der durch Astors Verhalten bestätigt wird) muss sich irgendwo zwischen den Szenenwechseln verstecken. Der legitimere Liebesakt mit Harlow dagegen wird in klassischer Manier durch Kuss und anschließenden Cutaway (auf einen Papagei) evoziert.

Wednesday, March 28, 2007

Tiger Shark, Howard Haws, 1933

Ein recht früher Hawks-Film - im gleichen Jahr wie Scarface gedreht - und schon fast beängstigend sicher inszeniert. Ein ständiger Wechsel zwischen dem aufreibenden, buchstäblich die körperlichen Substanz (beispielsweise Edward G. Robinsons Hand) angreifenden Broterwerb auf einem Fischerboot und dem Liebesmelodram in der Hafenstadt. Ersterer neigt zum Dokumentarischen, letzteres zum Theatralen. Minutenlang beobachten wir, wie Fischer am Rand ihres Bootes stehen, mit ihrem Fang kämpfen, die gefangene Beute in eine Rinne hinter sich werfen und bisweilen über Bord gespült werden. Dann wieder das Melodram um die portugiesische Witwe und ihre zwei Verehrer in Form eines Kammerspiels, voller effektvoller Auftritte und Abgänge. Schließlich führt Hawks konsequent beide Ebenen zusammen, bis zum bitteren Ende, die vielleicht die schlechteste Sequenz des Films darstellt. Jedoch nicht, weil Hawks irgend etwas falsch macht, sondern weil die Konventionen des Hollywoodfilms eine Schließung verlangen, die diesem Film nicht besonders gut tut.
Die Szenen auf dem Boot sind nicht auf eine Funktion des Melodrams zu reduzieren. Genauso wenig funktioniert es anders herum. Robinson und sein Nebenbuhler Richard Arlen halten Beruf und Privatleben strikt getrennt. Zumindest bis kurz vor Schluss.
Ich habe (vor allem in letzter Zeit) zu wenig von Hawks gesehen, um Tiger Shark autorentheoretisch einordnen zu können, doch scheinen sich mir einige Parallelen zu seinem Spätwerk Hatari! (und eventuell auch zu Man's Favorite Sport?, den ich allerdings kaum noch präsent habe) aufzudrängen. In Alle drei Filme weichen der auf den ersten Blick naheliegenden libidinösen Gleichsetzung Frau - Tier beziehungsweise Verführung - Jagd (wie sie beispielsweise John Fords großartiger Mogambo in aller Ausführlichkeit durchdekliniert) und aller damit einhergehenden Implikationen auf seltsame Weise aus. Zu sehr scheint Hawks sich für die Spezifiken beider Leidenschaften zu interessieren...