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Thursday, December 05, 2013

Grumpy, George Cukor / Cyril Gardner, 1930

Wenn die frühen Tonfilme den Filmton jeweils anders und eigen bezeichnet haben, dann bezeichnet Grumpy, der erste Film, den Cukor (ko-)inszeniert hat, den Filmton als rumpeligen alten Mann, der in das Filmset hineingestellt wird und einfach keine Ruhe gibt. 'Grumpy' ist ein alter Strafverteidiger mit nicht allzu gesund aussehenden Augenringen, der seine Umgebung tyrannisiert, maßregelt, an jedem etwas auszusetzen hat, Körperhaltungen korrigiert, mit Gegenständen um sich wirft und vor allem eben: keine Ruhe gibt. Ein konstanter Geräuschpegel geht von ihm aus in jeder Szene, in der er anwesend ist; in Worte fügt sich dieses Geräusch nur manchmal und dann, meint man fast, eher zufällig. Ein running gag in diesem Film, von dem man aus heutiger Perspektive nicht mehr so einfach sagen kann, ob er als Komödie gedacht war, besteht in dem summenden Gräusch, das Grumpy von sich gibt, sobald er auf seinem Ohrensessel einschläft. Und also auch dann keine Ruhe gibt, wenn er einmal zufällig die Klappe hält.

Es geht im Film um ein Liebespaar, dem ein Diamantenraub in die Quere kommt, eine Blume, die irgendjemand irgendjemand angesteckt hat, kommt auch vor; um sie wird erst recht mehr Aufhebens gemacht, als sie eigentlich rechtfertigen sollte. Sie geht verloren, landet bei einer anderen Figur, wird irgendwo wiedergefunden, verdoppelt sich, in eine falsche und eine richtige Blume. All das behandelt der Film als das was es ist: eine eher lästige Theaterroutine. Natürlich geht es dabei vor allem darum, der Frau und dem Mann ein paar Hindernisse in den Weg zu legen. Aber das viel geeignetere Hindernis ist - und dass der ansonsten statische und abgesehen von einem Blick durchs Schlüsselloch visuell weitgehend uninspirierte Film das "szenisch herausfindet", indem er den Alten einfach mal machen lässt, spricht für ihn; gerade die Szenen, die besonders stagy wirken, die am deutlichsten den theatralen Ursprung des Stoffes durchscheinen lassen, helfen, ein genuines Medium des Kinos zu entdecken - natürlich Grumpy selbst, der vorderhand damit beschäftigt ist, eben jene ungeeigneteren Hindernisse per rumpelnder Kombinatorik aus dem Weg zu räumen. Und wenn Grumpy nichts anderes ist, als eine Bezeichnung für den Filmton selbst (bzw dessen Materialisierung), dann wird also deutlich, dass der Filmton selbst das beste Hindernis ist - und gleichzeitig dessen Überwindung; beziehungsweise, genauer gesagt: dass er jenes Medium sein kann, das die Liebenden gleichzeitig trennt und verbindet. "Die Worte, die zwischen ihnen stehen..."

Saturday, February 17, 2007

Berlinale 2007: Yella, Christian Petzold, 2007

Nina Hoss ist äußerst cool als Yella, keine Frage. Vielleicht ist es gerade die Coolness und Hippness des ganzen Projekts, die dafür sorgt, dass ich mit Christian Petzolds neuem Werk nicht ganz warm werden konnte. Auf dem Papier sieht alles sehr smart aus: Der atmosphärische Horrorfilmklassiker Carnival of Souls wird in Investmentbanking übersetzt und gleichzeitig in einen deutschen Ost/West-Diskurs eingefügt, in welchem delikaterweise der Westen das Geisterreich darstellt.
Die Petzoldsche Version eines Horrorfilms beschränkt den genreüblichen Exzess auf drei kurze Sequenzen, die den Übergang von der realen in die Traumwelt durch Tonsubjektiven darstellen. Ganz konkret: Im Stile eines schlechten B-Horrorfilms bricht die Tonspur in sich zusammen und macht einem undefinierbaren Rauschen Platz, während (die ansonsten selbstverständlich hervorragende) Hoss planlos in die Gegend starrt. Das Krähen eines Raben holt sie schließlich wieder in unsere Welt zurück. Die Kamera unterstreicht (?) dies durch ein wenig planloses Rumgezoome in den Ästen eines Baumes. Diese ganze Sequenz (die wie gesagt dreimal wiederholt wird) ist dermaßen uneffektiv inszeniert, dass man Petzold, der ja sein Handwerk versteht, Absicht unterstellen muss. Nur: Was soll das?
Ebenso wie ich Sinn und Zweck dieser Sequenz nicht verstehe (sie wurde direkt aus Carnival of Souls übernommen, wie überhaupt der Film in struktureller Hinsicht ein erstaunlich originalgetreues Remake darstellt), bleibt mir letzten Endes das ganze Projekt ein Rätsel, und zwar eines, bei welchem ich nicht einmal allzu große Lust verspüre, weiter nachzuforschen, da ich wenig Chancen auf potentiellen Erkenntnissgewinn ausmachen kann. Das Handlungsgerüst des Bankerplots basiert angeblich auf Farockis Nicht ohne Risiko, den ich zugegebenermaßen noch nicht gesehen habe. Diese komplexe Überblendung zweier filmischer Texte verweist auf eine Aussageabsicht politischer Natur (verbunden mit einem filmgeschichtlichen Diskurs), die sich nicht auf eine plumpe kapitalismuskritische Allegorie reduzieren lässt. Aus dem filmischen Text als solchem erschließt sich jedoch höchstens letztere. Und selbst diese zerschellt an den Horrorfilmüberresten.
Dazu den obligatorischen hippen Popsong auf der Tonspur und als Autorensignatur eine Überwachungskameraaufnahme. Natürlich ist Yella kein schlechter Film und vielleicht weist er in mancher Hinsicht in die richtige Richtung. Doch wie bereits im Fall von Gespenster ist mir das Konzept ein klein wenig zu sofisticated, zu sehr bedacht auf die eigenene Coolness (und vielleicht sogar auf den goldenen Bären), um im Rahmen eines Erzählfilms wirklich zu funktionieren.