True Blood 1.1+1.2
Alan Ball bleibt mein ganz privates rotes Tuch. Mit American Beauty konnte man mich schon immer jagen, Towelhead ist nur deshalb erträglicher, weil Ball von Anfang an weniger will und deshalb auch weniger falsch machen kann, Six Feet Under hatte ich damals bereits nach einer Folge aufgegeben. True Blood möchte ich mindestens eine Staffel lang eine Chance geben. Aber die Serie macht es mir nicht leicht. Die Episoden ein einziges Grimassieren, das man hinterher nicht einmal mehr so recht nach Personen und individuellen Gesichtszügen aufschlüsseln möchte, Südstaatenlokalkolorit wird mit dem Vorschlaghammer eingeimpft. Auch sonst wird alles, was eventuell in einer Szene drinsteckt, auch ausgesprochen. Keine Geheimnisse, nirgends.
Verglichen mit dieser aufgepimpten Vampirerotik wirkt zumindest der erste Twilight-Film wie eine Abhandlung über reales weibliches Begehren. Nun denn, immerhin: Vielleicht verhält sich die Serie zu Six Feet Under wie Towelhead zu American Beauty: offensiver, naiver Trash statt Qualitäts- und Reflektionsbehauptung.
La mujer sin lágrimas, Alberto B. Crevenna, 1951
"Alles wird gut, wenn Du älter wirst!" meint die Tante (?). "Nein" widerspricht die Mutter (?) und spricht den Säugling direkt an: "nichts wird sich ändern". Das ist der Ende des Prologs eines recht generischen, gleichzeitig äußerst wahnwitzigen mexikanischen Melodrams und eigentlich ist damit schon alles klar. Später ist das Kind ein Mädchen kurz vor der Unabhängigkeit vom Elternhaus und der zweite Satz hat sich bewahrheitet. Es entspannt sich ein erbitterter Schwesternkrieg um einen älteren Mann, der junge Freund des Mädchens möchte auch in den Film rein, hat aber gegen die alten Diven keine Chance. Hyperbolische Alltagshysterie in einer erschreckend unbekannten Nationalkinematografie. Alberto B. Crevenna hat in seinem Leben über 150 Filme gedreht.
Showing posts with label Serie. Show all posts
Showing posts with label Serie. Show all posts
Tuesday, July 27, 2010
In passing
Labels:
Alan Ball,
Alberto B. Crevenna,
HBO,
Horror,
La mujer sin lagrimas,
Melo,
Mexiko,
Quality TV,
Serie,
True Blood,
Vampir
Tuesday, July 06, 2010
Hill Street Blues 1.7
Oft werden Settings, storylines, ja sogar fast Dialoge nach zwei, drei Folgen ziemlich exakt wiederholt. Von heutigen Fernsehserien ist man so etwas nicht mehr gewohnt, als die Rezeption noch fast ausschließlich im Wochenrhythmus stattfand, konnten sich die Networkverantwortlichen so etwas leisten.
In der siebten Folge überfällt Hector Jimenez, der kleine, wilde Hispanic, auf den die Serie ihre liberale Agenda besonders geballt zu projizieren scheint, gleich wieder einen Supermarkt. Wie in der ersten Folge. Allerdings wird diesmal daraus kein kinotauglicher Actionfilm. Die Großaufnahmen Hectors und Frank Furillos gehören eindeutig dem Medium Fernsehen (geöffnete Gesichter, die Kommunikation suchen):


Es gibt keine Shoot-outs, statt dessen öffnet sich immer wieder der leergefegter Gang eines Supermarkts. Der Kapitalismus framt seine Subjekte (wie die Werbeeinblendungen das Fernsehprogramm framen):

Die finale Passage durch eben diesen Gang ist ziemlich ergreifend. In den screenshots bleibt vom Pathos selbstverständlich eher wenig übrig:


In der siebten Folge überfällt Hector Jimenez, der kleine, wilde Hispanic, auf den die Serie ihre liberale Agenda besonders geballt zu projizieren scheint, gleich wieder einen Supermarkt. Wie in der ersten Folge. Allerdings wird diesmal daraus kein kinotauglicher Actionfilm. Die Großaufnahmen Hectors und Frank Furillos gehören eindeutig dem Medium Fernsehen (geöffnete Gesichter, die Kommunikation suchen):


Es gibt keine Shoot-outs, statt dessen öffnet sich immer wieder der leergefegter Gang eines Supermarkts. Der Kapitalismus framt seine Subjekte (wie die Werbeeinblendungen das Fernsehprogramm framen):

Die finale Passage durch eben diesen Gang ist ziemlich ergreifend. In den screenshots bleibt vom Pathos selbstverständlich eher wenig übrig:


Labels:
Fernsehen,
Hill Street Blues,
Liberalism,
Network,
Polizeifilm,
Quality TV,
Serie,
USA
Thursday, July 01, 2010
Gossip Girl 2.24
A very guilty pleasure...
---
In der zweitletzten Folge der zweiten Staffel gibt es zum ersten Mal eine längere Rückblende, eine in die Jugend der Society-Krawallschwester Lilly van der Woodsen. Das Ergebnis ist das vermutlich verlogenste 80ies-Pastiche der Film- und Fernsehgeschichte, mitsamt Gwen Stefani, deren bloße Existenz ich bereits erfolgreich verdrängt hatte, als New-Wave-Sängerin. Aber wen kann es wundern, dass eine falsche Gegenwart eine falsche Vergangenheit projiziert?
---
Die zweite Staffel versucht zumindest ein wenig überzeugender, die Hippness, die sie die ganze Zeit für ihr Süjet behauptet, auch selbst einzulösen. Die Musikauswahl ist zumindest ab und zu ein klein wenig progressiver als in der ersten Staffel, ab und zu gibt es etwas ausgedehntere Montagesequenzen, Zeitlupenaufnahmen und andere, aber selbstverständlich stets lokal isolierte, televisuelle Exzesse. Ansonsten gilt weiterhin: Je falscher die Welt, desto unermüdlicher die Behauptung ihrer Kontinuität.
---
Wenn diese Serie einen Moment von Wahrheit enthält (jenseits von jeder Menge platter Bebilderungen Bourdieuscher feiner Unterschiede), dann ganz sicher nicht in ihren fast immer inhärent reaktionären Versuchen, Kritik zu üben. In der Episode 2.24 läuft diese "Kritik" mal wieder auf die an der matriarchal organisierten Aufstiegsgeschichte der Rhodes / van der Woodsen-Familie hinaus. Ganz sicher findet man ein solches Moment auch nicht in ihrer vermeintlichen Tagesaktualität, etwa in den paar Nebensätzen, die Rufus Humphreys (gegen den Jon Bon Jovi authentischer Rock'n Roll ist), an die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008ff verschwendet (immerhin ringt sich die Serie irgendwann einmal zur Erkenntnis durch, dass auch die Humphreys mit ihrer Loft in Brooklyn nur relativ betrachtet als unterprivilegiert durchgehen). Wenn überhaupt irgendwo, dann steckt ein Moment Wahrheit höchstens in der ewigen reluctant romance der beiden Figuren, denen der neo-aristokratische Kapitalismus, den die Serie zelebriert, vollständig zur zweiten Natur geworden ist: Chuck Bass und Blair Waldorf. Und auch da weniger in den einander ergänzenden Psychosen der beiden, als in der Beharrlichkeit, in der Chuck und Blair diese Psychosen als eben den Mittelpunkt der Welt setzten können, der sie eben nur dann wären, wenn sie gleichzeitig für die Psychosen eines hysterisch gewordenen Spätkapitalismus einstünden.
---
In der zweitletzten Folge der zweiten Staffel gibt es zum ersten Mal eine längere Rückblende, eine in die Jugend der Society-Krawallschwester Lilly van der Woodsen. Das Ergebnis ist das vermutlich verlogenste 80ies-Pastiche der Film- und Fernsehgeschichte, mitsamt Gwen Stefani, deren bloße Existenz ich bereits erfolgreich verdrängt hatte, als New-Wave-Sängerin. Aber wen kann es wundern, dass eine falsche Gegenwart eine falsche Vergangenheit projiziert?
---
Die zweite Staffel versucht zumindest ein wenig überzeugender, die Hippness, die sie die ganze Zeit für ihr Süjet behauptet, auch selbst einzulösen. Die Musikauswahl ist zumindest ab und zu ein klein wenig progressiver als in der ersten Staffel, ab und zu gibt es etwas ausgedehntere Montagesequenzen, Zeitlupenaufnahmen und andere, aber selbstverständlich stets lokal isolierte, televisuelle Exzesse. Ansonsten gilt weiterhin: Je falscher die Welt, desto unermüdlicher die Behauptung ihrer Kontinuität.
---
Wenn diese Serie einen Moment von Wahrheit enthält (jenseits von jeder Menge platter Bebilderungen Bourdieuscher feiner Unterschiede), dann ganz sicher nicht in ihren fast immer inhärent reaktionären Versuchen, Kritik zu üben. In der Episode 2.24 läuft diese "Kritik" mal wieder auf die an der matriarchal organisierten Aufstiegsgeschichte der Rhodes / van der Woodsen-Familie hinaus. Ganz sicher findet man ein solches Moment auch nicht in ihrer vermeintlichen Tagesaktualität, etwa in den paar Nebensätzen, die Rufus Humphreys (gegen den Jon Bon Jovi authentischer Rock'n Roll ist), an die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008ff verschwendet (immerhin ringt sich die Serie irgendwann einmal zur Erkenntnis durch, dass auch die Humphreys mit ihrer Loft in Brooklyn nur relativ betrachtet als unterprivilegiert durchgehen). Wenn überhaupt irgendwo, dann steckt ein Moment Wahrheit höchstens in der ewigen reluctant romance der beiden Figuren, denen der neo-aristokratische Kapitalismus, den die Serie zelebriert, vollständig zur zweiten Natur geworden ist: Chuck Bass und Blair Waldorf. Und auch da weniger in den einander ergänzenden Psychosen der beiden, als in der Beharrlichkeit, in der Chuck und Blair diese Psychosen als eben den Mittelpunkt der Welt setzten können, der sie eben nur dann wären, wenn sie gleichzeitig für die Psychosen eines hysterisch gewordenen Spätkapitalismus einstünden.
Labels:
Fernsehen,
Gossip Girl,
Kapitalismus,
Network,
New York,
Serie,
TV-Trash,
USA
Wednesday, February 03, 2010
Alias, Season 2
Warum mir die zweite Alias-Staffel besser gefallen hat als die erste? Natürlich auch, weil sie in den Actionsequenzen spektakulärer und abwechslungsreicher ist und nicht mehr so sehr auf Martial Arts macht - das sah einfach nie so richtig souverän aus in S01. Vor allem aber, weil die Verschwörung immer Allumfassender wird, weil sie expandiert und tendeziell die "Normalität" als Ganzes auffrisst und übernimmt, sich als neue, andere Totalität setzt. Will Tippin wurde schon im Lauf der ersten Staffel langsam in die Verschwörung hineingezogen, in der zweiten verliert er endgültig den Halt und gerät in den Strudel. Francie wird ebenfalls und ganz radikal ins Reich der Paranoia befördert, nachdem sie die erste Hälfte der Staffel damit beschäftigt ist, ein Restaurant zu eröffnen, das ganz eindeutig niemand interessiert, schon gar nicht die Serie, ebenso ergeht es einigen kleineren Figuren wie Sloanes Frau und am Ende der zweiten Staffel gibt es tatsächlich keine einzige halbwegs wichtige Figur außerhalb der Verschwörung. Eine Welt wird durch ihren schizophrenen Zwilling ersetzt und im Grunde fällt es niemand auf.
Immer lächerlicher wirken dann auch gerade die Versuche, so etwas wie eine "Normalität", ein "Alltagsleben" der Hauptfigur Sydney zu inszenieren. Irgendwann wird eine Party gefeiert, mit Sektgläsern und lachend ins Genick geworfenen Köpfen - falscher als so etwas können auch Serien wie OC California oder Beverly Hills 90210, die ich nie gesehen habe, unmöglich sein. Als ihre "reluctant romance" mit CIA-Langweiler Michael Vaughn dann doch in eine heiße (oder vielleicht doch eher: lauwarme) Phase eintritt, wird alles nur noch schlimmer. Weil der Serie aber auch gar nicht einfällt, wie diese beiden Figuren, die in der Verschwörungswelt, welche eben doch sehr eigene Regeln hat, funktional sind, im echten Leben aber beide exakt gleich öde wirken, auch nur halbwegs würdevoll aus diesem Story arc herausfinden sollen. Irgendwann stehen sie gemeinsam auf Schlittschuhen im Eishockeystadion, warum auch immer. Rambaldi wartet nicht, möchte man ihnen in diesem Moment zurufen, raus aus der Realität, aber schnell...
Immer lächerlicher wirken dann auch gerade die Versuche, so etwas wie eine "Normalität", ein "Alltagsleben" der Hauptfigur Sydney zu inszenieren. Irgendwann wird eine Party gefeiert, mit Sektgläsern und lachend ins Genick geworfenen Köpfen - falscher als so etwas können auch Serien wie OC California oder Beverly Hills 90210, die ich nie gesehen habe, unmöglich sein. Als ihre "reluctant romance" mit CIA-Langweiler Michael Vaughn dann doch in eine heiße (oder vielleicht doch eher: lauwarme) Phase eintritt, wird alles nur noch schlimmer. Weil der Serie aber auch gar nicht einfällt, wie diese beiden Figuren, die in der Verschwörungswelt, welche eben doch sehr eigene Regeln hat, funktional sind, im echten Leben aber beide exakt gleich öde wirken, auch nur halbwegs würdevoll aus diesem Story arc herausfinden sollen. Irgendwann stehen sie gemeinsam auf Schlittschuhen im Eishockeystadion, warum auch immer. Rambaldi wartet nicht, möchte man ihnen in diesem Moment zurufen, raus aus der Realität, aber schnell...
Tuesday, October 30, 2007
Battlestar Galactica - Irgendwo inmitten der unendlichen Weiten der zweiten Staffel
Gestern Nacht gesehen: Die bisher vielleicht allerbeste Folge "Resurrection Ship: Part 2". Halluzinogene Melancholik zwischen Blade Runner und 2001 trifft auf knallharten Spannungsfilm, eine unglaubliche Mischung aus wildem, befreienden, assoziativen Wahnwitz und kühlstem, analytischem Plotting. Zwei Folgen vorher ensteht aus dem Nichts eine völlig neue Dimension des sich ständig erweiternden Battlestar-Universums (und dieses Universum ist hier nicht auf narrative Strukturen beschränkt wie im Falle von Lost, Battlestar Galactica betreibt wirklich world building, aber nicht im Sinne der öden Fantasy-Literatur und ihren beliebigen, austauschbaren Fabelwesen; auch nicht jedoch im Sinne einer allegorischen Parallelwelt, die nur unsere eigene verdoppelt. Im Grunde ist gerade die unklare Situierung dieser Welt das interessanteste an ihr, schwankt sie doch stehts zwischen eskapistischer Fantasie, utopischer Alternative und dystopischer Kritik, ohne sich letztlich für eines der drei zu entscheidend. Vielleicht wird durch diese Verweigerung implizit die zweite Variante bevorzugt). Nach dieser Folge ist zumindest wiederum alles völlig anders und neu, die Serie ändert weniger den Aufbau ihrer Welt, als ihre Perspektive auf dieselbe.
Nicht zuletzt besteht Battlestar Galactica aus einer Reihe großartig durchinszenierter Melodramen, die sich allesamt mit jeder narrativen Wendung des Hauptplots ebenfalls eine Komplexitätsstufe nach oben verlagern. Vor allem die Figur Boomers wurde im Laufe der bisherigen 24 Folgen mit einer fast unglaublichen Anzahl von Schicksalsschlägen und existentiellen Krisen konfrontiert. Dennoch wirkt nichts lächerlich oder überzogen, alles ist folgerichtig und keine kaum einmal wird eine verworrene Beziehung in halbgaren Storytwists wieder gerade gebogen (zugegeben, ab und an passiert das schon, aber äußerst selten).
Die verschiedenen Ebenen finden sich nicht nur über die Staffel verteilt, sondern in jeder einzelnen Folge. Besser erzählt wird im amerikanischen Fernsehen derzeit wohl selten, vom Kino ganz zu schweigen. Battlestar Galactica ist irgendwo ganz oben im amerikanischen Serienhimmel, direkt neben The Wire und Arrested Development und vielleicht sogar noch etwas über The Shield, Lost und Deadwood.
Btw an alle Mitfans: Wie ich gerade erst bemerkt habe, ist zusätzlich zur vierten Staffel noch ein zweistündiger Fernsehfilm in Produktion, der die Vorgeschichte der Pegasus behandeln wird. Nach den letzten drei Staffeln kann ich diesen genauso wenig erwarten wie den Rest der regulären Serie.
Nicht zuletzt besteht Battlestar Galactica aus einer Reihe großartig durchinszenierter Melodramen, die sich allesamt mit jeder narrativen Wendung des Hauptplots ebenfalls eine Komplexitätsstufe nach oben verlagern. Vor allem die Figur Boomers wurde im Laufe der bisherigen 24 Folgen mit einer fast unglaublichen Anzahl von Schicksalsschlägen und existentiellen Krisen konfrontiert. Dennoch wirkt nichts lächerlich oder überzogen, alles ist folgerichtig und keine kaum einmal wird eine verworrene Beziehung in halbgaren Storytwists wieder gerade gebogen (zugegeben, ab und an passiert das schon, aber äußerst selten).
Die verschiedenen Ebenen finden sich nicht nur über die Staffel verteilt, sondern in jeder einzelnen Folge. Besser erzählt wird im amerikanischen Fernsehen derzeit wohl selten, vom Kino ganz zu schweigen. Battlestar Galactica ist irgendwo ganz oben im amerikanischen Serienhimmel, direkt neben The Wire und Arrested Development und vielleicht sogar noch etwas über The Shield, Lost und Deadwood.
Btw an alle Mitfans: Wie ich gerade erst bemerkt habe, ist zusätzlich zur vierten Staffel noch ein zweistündiger Fernsehfilm in Produktion, der die Vorgeschichte der Pegasus behandeln wird. Nach den letzten drei Staffeln kann ich diesen genauso wenig erwarten wie den Rest der regulären Serie.
Labels:
Battlestar Galactica,
Fernsehen,
nerdy,
Quality TV,
Science Fiction,
Serie,
Space Opera,
USA
Subscribe to:
Posts (Atom)